Von Claus Bach, 8. September 2010, 11:26 Uhr

Falls Du im Getränkeladen das Jubiläumsbier Namens „Braugold 1888“ käuflich erwirbst, hast Du deine politische Unschuld wider Willen verloren. Es sei denn, Du kennst Dich mit Zahlencodes zeitgenössischer rechtsgerichteter Demonstranten aus. Denn die Vertreter dieser Randgruppe lieben es, die „1888“ auf ihren Shirts offen zur Schau zu stellen.

Für Unkundige hier ein kleiner Allgemeinbildungs-Exkurs: Die Eins steht für den ersten Buchstaben des Alphabets: A wie Adolf, die Acht für den achten Buchstaben – H wie Heil und so weiter.

Seit dem 01. April 2010 prangt also nun die „1888“ auf dem Etikett des Jubiläumsbieres der Erfurter Brauerei. Und noch keine zwei Wochen per Großflächenreklame auf dem lokalen Markt, reagierte die Partei von Bündnis 90/Die Grünen prompt: Was soll denn das? Wissen die lokalen Werbestrategen nicht, dass genau diese Zahlenkombi als eben jenes Neonazi-Kürzel fungiert?

Doch, sie wussten. Und gaben auf Anfrage schlicht zurück, „man hätte sich nach ausführlicher Textrecherche im Vorfeld“ für die Verwendung dieses Logos entschieden. Schließlich ist das Jahr 1888 Gründungsjahr der Brauerei. Was auf dem Etikett jeder einschlägigen Bierpulle zu lesen ist. Und das geht vor. Also ist der Zusammenhang klar wie ein frisches Helles.

Und außerdem könnte man dann fast jedes Logo verbieten, welches Zahlenkombis aus Achten und Einsern trägt. Infantile Zahlenfuchserei.

Einschlägige rechte Webseiten im Internet haben jetzt super Verbalvorlagen zur Häme. Eine fiese Zwickmühle. Da muss man erstmal rauskommen. Doch das wird schlecht gehen.

So ist die Erfurter Brauerei nun Werbeträger jener neuen Rechten geworden. Freilich polemisch gesprochen. Schnuppe, ob freiwillig oder unfreiwillig. Ein nationalistischer Schluckauf. Das gibt einen prima Kater, und der Kopf kann noch ganz schön lange wehtun. Es sei denn, man setzt sich nochmal hin und denkt sich einen originelleres Jubiläumslogo aus:

Für politisch korrektes Saufen.

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