Von Claus Bach, 22. Dezember 2010, 11:26 Uhr

Falls Ihr den Schlosspark Sanssouci von Berufs wegen stimmungsvoll ablichten sollt, könnte das rasch zum finanziellen Desaster werden.

Denn ab sofort ist für die gewerbliche fotografische Abbildung öffentlich zugänglicher Bereiche des Parks eine Genehmigung fällig. Selbstverständlich gegen Nutzungsgebühr. Vorher zu entrichten an den Eigentümer, die „Preußische Stiftung Schlösser und Gärten“

Diese Regelung hat besagte Stiftung nun per Beschluss des Bundesgerichtshofs durchgesetzt. Nachdem es in vorhergehenden Instanzen hin und her ging. Nun müssen Bildagenturen und Verlage blechen.

Und zwar dann, wenn sie Aufnahmen besagter öffentlicher Parks in ihren Bilddatenbanken und Publikationen zum Verkauf anbieten. Was ja vorkommen soll. Schließlich ist das deren Job und nützt auch dem Ort. Offen ist noch, wie die neue Verordnung vom Eigentümer rückwirkend angewendet wird.

Im Klartext heißt das: Der „Preußischen Stiftung Schlösser und Gärten“ ist es gelungen, das Eigentumsrecht zu instrumentalisieren.

Und zwar derart, dass sie es per Gerichtsbeschluss über das Verwertungsrecht der Bildautoren stellen darf. Das nicht mehr nur bizarr, sondern schlicht kriminell. Kulturpolitische Zuhälterei. Kohle für jedes kommerziell genutzte Foto im Areal des Eigentümers.

Eine staatliche Stiftung darf sich nun wie ein Privateigentümer aufführen. Fehlen nur noch Wachhunde und jede Menge Sicherungsanlagen. Unglaublich, dass das höchste Gericht sowas durchgewunken hat.

Ein bisher einzigartiger Vorgang. Der zur Folge haben wird, dass Aufnahmen des Parks Sanssouci Seltenheitswert genießen. Und auch harmlose Knipsereien vieler Touristen und Besucher sind nicht mehr so einfach drin – bei strenger Anwendung des neuen Eigentumsrechts nur mit Genehmigung und Nachweis der Privatnutzung.

Offen ist auch, wie die neue Verordnung der Stiftung überhaupt durchgesetzt werden soll. Es bedarf zusätzlichen Kontroll-Personals, wie im Museum. Was wiederum den finanziellen Nutzeffekt in Frage stellt.

Und was noch schlimmer ist: Das könnte Schule machen.
Stell Dir vor, Du stehst im Weimarer Ilmpark  und willst ein schönes Landschaftsfoto mit Freunden machen. Das wird nicht einfach.

Da bleibt nur eins: Wutbürger aller Bundesländer vereinigt Euch und demonstriert für die kostenfreie bildliche Darstellung Eurer Parks…

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