Von Claus Bach, 18. Februar 2015, 13:27 Uhr

Zufall war es sicher nicht, dass am gestrigen Faschingsdienstag die umstrittene „Körperwelten“ – Schau in der Ausstellungshalle unterhalb des Berliner Fernsehturms eröffnet wurde.

Gegen den Widerstand vieler Berliner Bürgerinnen, Bürger und Institutionen hat sich das Team des selbsternannten Medizin – Künstlers Gunther von Hagens vorläufig durchsetzen können.

So kann man seit dem heutigen Aschermittwoch zwanzig seiner Plastinate menschlicher Körper mit schönem Schauer betrachten. Offensichtlich war dieser Anfangstermin der Dauerausstellung ironisch gemeint.

Was einen Zynismus der ganz eigenen Art offenbart.

Als da wären die üblichen, mit penetranter Bedeutung aufgeladenen posierenden Leichen:
Mann, Frau und Kind. Eine Kleinfamilie, inszeniert wie eine Ballett – Szene.

Der plastinierte Arschmuskel eines Skateborders ist ebenso zu bewundern wie eine offensichtlich jung verstorbene Frau, die nun für immer und ewig als blond gelockter Engel im Raum schweben muss.
Dabei fungieren ihre hochgeklappten, fleischfarbenen Rückenpartien praktischerweise gleich mal als Flügel.

Der Esoterik halber darf natürlich auch kein einäugiges Skelett im Yogasitz fehlen.
Ebenso wenig die Leiche eines durchtrainierten Athleten während seiner Übung an den Ringen.

Alle weiteren menschlichen kunststoffkonservierten Klein – Körperteile kann man freilich auch in diversen Vitrinen bewundern. Clever versehen mit ergänzenden medizinischen Erläuterungen.

Zukünftig wird sich wohl diese visuelle Klaviatur von transformierten Menschen zu humanoiden Zombie – Models beliebig fortsetzen. Dann unter dem vielsagenden Titel „Menschen – Museum“. Na prima.

Währenddessen hält die Resonanz der „Körperwelten“ ungebrochen weltweit an.

Unter dem Mantel der wissenschaftlichen Aufklärung und Weiterbildung funktioniert dieser frech aufgeblasene bizarre Medizinkitsch schon zwanzig Jahre lang.

Ein in jeder Hinsicht erfolgreiches Geschäftsmodell.
Ganz und gar der einschlägigen Historie und dem vermeintlichen Zeitgeist verpflichtet.

Auch viele Promis finden das mittlerweile gut. Die werden auf der „Körperwelten“ – Webseite ausführlich zitiert.

Die Warteliste für Menschen, die nach ihrem Tod per Kunststoff – Konservierung ausgestellt werden wollen, ist ebenfalls außerordentlich lang. Um nicht zu sagen unrealistisch. Bei über 12.000 soll die Zahl der Bewerber liegen.

Die wissen allerdings noch nicht, wie sie denn zukünftig präsentiert respektive voyeuristisch zeitlos verhackstückt werden.

Bekanntermaßen ist das ganz und gar der Phantasie der wissenschaftlichen Plastinatoren überlassen.

Und da geht noch viel. Ein Schelm, wer schlechtes dabei denkt.

Also Vorsicht, liebe angehende Todesnarzisten.

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