Von Claus Bach, 6. April 2011, 11:26 Uhr

Wir nicht“. Mit diesen Worten warb die Deutsche Bundesbahn in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts für ihre Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit vom Wetter. Unter dem Foto einer schneebedeckten Diesellok war der Slogan in fetten weißen Lettern auf schwarzem Grund zu lesen.

Und die Ansage wurde fast eins zu eins in die Realität umgesetzt. Die Züge fuhren nach Fahrplan und waren richtig pünktlich. Souverän also.

Heute gilt diese Kampagne als die erfolgreichste der Bundesbahn. Zumal ihr Spruch verschiedenste Abwandlungen in andere Werbe-Aktionen wie Autoreklamen, Finanzanlagen und  Currywurstbuden erfuhr. Selbst der Sozialistische Deutsche Studentenbund nutzte den Slogan 1968 für sein wohl berühmtestes Plakat: Anstelle der verschneiten Lok waren die drei Politköpfe Marx, Engels und Lenin auf selbstverständlich rotem Grund abgebildet.
Die Deutsche Bundesbahn spielte eine Vorreiterrolle in Sachen Originalität, Werbeversprechen und dessen realer Umsetzung.

Das mag man heute kaum mehr glauben. Im zeitgenössischen Licht erscheint die alte Kult-Kampagne fast surreal.

Denn nahezu alle Aktivitäten des teilprivatisierten Verkehrsträgers haben sich in ihr bizarres Gegenteil verwandelt: Die Jahreszeit zwischen den natürlichen Wetterplagen Winter und Sommer heißt im Volksmund nur noch „Lokführerstreik“.

Für andere Pannen bedient man sich immer gern der technischen Phänomenologie: Von Fahrplanänderungen bis hin zu ersatzlosen Ausfällen diverser ICE-Verbindungen.

Fehlende Neigetechnink heißt der Budenzauber nun für den Kulturstandort Weimar. Koppelt ihn vom Fernverkehr ab. Ein irres Ding.

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit wär der Bahn noch was eingefallen angesichts der Relevanz des Ortes. Vielleicht mal eine unterstützende technische Aufrüstung.

Jetzt aber erscheint sie wie ein altes DDR-Telefon: Geht nicht, gibt’s nicht. Basta.

Und eigentlich müsste „Die Bahn AG“ alle kommenden Aktionen der Weimarer Bürger für den Halt sämtlicher ICE-Züge im örtlichen Hauptbahnhof gebührend honorieren:

Als ob das Unternehmen eine Werbeagentur beauftragt hätte.

Eine bessere Negativ-Reklame kann es gar nicht geben. In umgekehrter Erinnerung an vergangene Zeiten, versteht sich.

 

Bisher 1 Kommentar zum Artikel

  1. Kommentar von Markus Hofmann

    Der Logik Deines Artikels kann ich total folgen, gut gemacht!