Von Claus Bach, 22. Oktober 2008, 11:26 Uhr

Das war schon ordentlich cool, als neulich ein alter Mann von 88 Jahren die Jubelfeier des ZDF zackig abkanzelte und den Veranstaltern in die Suppe spuckte. So kompakt wie Marcel Reich- Ranitzki kann das aber auch keiner. Doch er hat ja auch Zeit genug zum Üben gehabt und schon immer für einen zünftigen Unterhaltungswert in der Glotze gesorgt.
Und nicht nur dort. Denn jetzt hat sein TV-Ausraster offensichtlich auch die Werber inspiriert und Ihnen einige prima Headlines für neue Verkaufskampagnen zur Ankurbelung der ins Gerede gekommenen Marktwirtschaft beschert. Genau im richtigen Moment, fast wie bestellt. So wirbt nun die T-Home- Sparte der Deutschen Telekom mit dem Szenenfoto des Kritikerpabstes während des Tv-Eklats und titelt vielsagend:
„Bei uns findet jeder ein Fernsehprogramm, das ihm gefällt“.
Laut Presseberichten geschah das in Absprache mit dem Meister.

Aber auch ein anderes Unternehmen ließ sich nicht lumpen und bediente sich: So wandelte eine populäre Billigfluglinie Ranitzkis verbale Medienschelte ins Gegenteil um und zitert triumphierend unter wiederholter Verwendung des bewußten Szenenfotos folgendermaßen:
„Diesen Preis nehme ich an: Denn nur Ryan Air hat den Günstigsten“.

Eigentlich bräuchte man als Werbetexter wöchentlich solche Promi-Ausraster: Und schon sprudeln die Ideen, kein endloses verbales Quälen irgendwelcher gestelzter Sätze, die niemand so recht verstehen will.

Und was sagt uns das? So nützlich kann manchmal eine enthemmte öffentliche Schimpfkaskade eines der letzten Verfechter der Hochkulktur sein. Vielleicht sollte es mehr davon geben. Aber ohne dröge Nachfolgediskussionen.
Denn wie hieß gleich der Titel eines deutschen Kinofilms von Hans Weingartner: „Free Rainer-Dein Fernseher lügt!“ – Doch das wäre eine ganz andere Geschichte.

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