Von Claus Bach, 10. April 2013, 11:05 Uhr

Vor zehn Jahren wurde das kollektive Gedächtnis zeitgeschichtlicher Bilddokumente um mindestens eine Erfahrung reicher:

Nach dem Fall Bagdads bekam die Welt Aufnahmen des spektakulären Sturzes der übergroßen Statue Saddam Husseins im Zentrum der Millionenstadt zu sehen. Durchgeführt von den Soldaten der US-Armee.

Bejubelt von einer großen Menge irakischer Einwohner. So suggerierten es die Bilder.
„Endlich befreit“ und ähnliche Parolen wurden dazu als Kommentare von der US-Presse für die Welt geliefert.

Dass das Ganze in Wahrheit anders verlief, war damals anfangs nur im Internet zu sehen:

Auf der Seite „indymedia.org“ wurde die Weitwinkelaufnahme eines Fotoreporters gepostet. Sie zeigte dasselbe Geschehen aus erhöhter Perspektive und größerer Distanz und relativierte es: Zu sehen war ein kleines Grüppchen jubelnder Iraker und US-Soldaten auf einem überwiegend leerem Platz im Herzen der Stadt, die dem Abriss der Statue applaudieren.

Ganz anders als die aus Nahdistanz aufgenommenen Bilder für die Weltpresse. Die suggerierten eine große Menschenmenge und sollten den Stellenwert des Ereignisses freilich aufwerten.

Was aber nicht wirklich gelang. Denn Tage später gingen ausschließlich die Bilder jenes spärlichen Häufchens jubelnder Exiliraker um die Welt.
So klärte sich die Sache.

Ebenfalls um Aufklärung bemüht ist die Website „Iraqbodycount.org“:

Seit zehn Jahren werden dort alle zivilen Opfer des Krieges registriert und die Umstände beschrieben. Wenn möglich.
Der aktuelle Zahlenstand liegt im April 2013 bei 122.388 Kriegstoten.

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