Von Claus Bach, 27. Januar 2010, 11:26 Uhr

Musik, Filme, Texte und freilich jede Menge Bilder – was Du willst, findest Du im Netz. Kostenlos. Informationsfreiheit für alle heißt das dann. Paradiesisch. Kein Wunder, dass das Internet und die sogenannte virtuelle Realität zur neuesten Religion wurde.

Und siehe, sie ist bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Eine ihrer Hohepriester, der amerikanische Informatiker, Komponist und Internet-Pionier Jaron Lanier hat nun ein äußerst enttäuschendes Fazit gezogen: Das Internet sei zur Quatschbude verkommen. Und die so hoch gepriesenen sozialen Netzwerke ebenfalls.

Gerade bei vielen jüngeren Menschen verdrängen sie komplett die klassische Kommunikation, das direkte miteinander sprechen. Die bleiben online in der Bude und verkümmern sozial vor sich hin.

Und die Autoren aller Coleur gehen freilich auch alle leer aus, die meisten kriegen keinen müden Cent für die virtuelle Veröffentlichung Ihrer Werke. Den Rest erledigen prosperierende virtuelle Werbeplattformen, welche das Netz benutzerdefiniert verwenden.

So ist Jaron Laniers Aufsatz ein Abgesang auf das einstmals so gepriesene neue Medium – welches schon längst zum wabernden Alltagsmedium geworden ist.

Da ist eben kein Geheimnis, keine Vision, kein „inner Circel“ mehr da. Alle nutzen alles und bieten alles an. Ein virtueller Selbstbedienungsladen. Das ist eine Art Endkonsequenz und war eigentlich abzusehen.

Denn das virtuelle Netz wird schlicht mißbraucht und simpel überschätzt. Mehr als bloße Information wird es offensichtlich nicht leisten können. Und selbst die will erstmal herausgefiltert werden. Maschinen bleiben eben Maschinen und basta. Ende der Fahnenstange.

Klar machen Flashmobs Spaß und können sogar nützlich sein: Zum Beispiel dann, wenn sich hunderte Konsumenten per mail und sms in einem Laden vor Ort zum Einkaufen verabreden und dem Geschäftsführer so einen ganz real hohen Gewinn bescheren. Aber da sind wir schon wieder beim Geschäft.

Doch vielleicht läßt sich das auch auf die freie Kultur übertragen.

Das Buch des US-Autoren Jaron Lanier heißt „You are not a gadget: A Manifesto“.
Erschienen ist es ausgerechnet beim Global Player „Random House“.

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