Von Claus Bach, 22. April 2009, 11:26 Uhr

Gestern abend war es soweit: Showdown auf allen medialen Kanälen und Titelseiten der Printmedien. Der thüringische Ministerpräsident legte ein außerordentlich geschliffenes Comeback in der einheimischen Staatskanzlei hin. Bilderbuchreif und perfekt inszeniert bis ins letzte Detail.
Nach einer knappen emotionalen Einführung mit dem Resümee, dass der Skiunfall am Neujahrstag sein Leben für immer verändert hätte, gings dann über zur aktuellen Tagesordnung. Lokales Krisenmanagement. Was nicht anders zu erwarten war.

Verändert wirkte Althaus allerdings: Im Gegensatz zu früheren Tagen sah man einen Mann mit starrem Blick über die Köpfe des versammelten Publikums sprechen. Einstudiert wirkten seine Sätze und erinnerten an das auswendig gelernte Referat eines Erstsemester – Studenten.

Und auch fürs abendliche Fernsehinterview hatten seine einschlägigen PR-Berater ganze Trainingsarbeit geleistet: Gerade auf die heiklen Fragen kamen Althaus Antworten wie aus der Pistole geschossen, kurz und prägnant.
Etwa auf die, ob er denn die Schuld an besagtem Skiunfall mit Todesfolge für die Skilehrerin Sabine Christandl trage. Klares Ja. Ganz im Gegensatz zu früheren Statements, welche lediglich eine Verantwortung einräumten. So ist das halt mit moralischen Kategorien, man reift mit dem Abstand zum Ereignis. Nichts dagegen zu sagen. Und auch die Frage, ob denn beispielsweise die Fotos mit seiner Frau am Grab des Vaters inszeniert gewesen seien, hätte das Journalistenduo glatt selber beantworten können. Natürlich nicht, „es waren halt immer Fotografen zugegen“. Was nachvollziehbar ist, und längst lässt sich das Gegenteil nicht mehr beweisen. Schnee von gestern. Und selbstverständlich legt der CDU-Spitzenkandidat jetzt allergrößten Wert auf Kommunikation mit den Menschen im Bundesland. Das war schon immer seine Sache.

So erinnerte Althaus erster Auftritt eher an die Performance des Geschäftsführers eines Startup – Unternehmens, dass am Markt bestens aufgestellt und für alle Probleme gewappnet ist. Super robust und derart aalglatt, dass einem unheimlich wird.

Diese Art Verbal-Management kann alles und genau darin liegt ihr Problem. Etwa dann, wenn Widersprüche rhetorisch clever weg gebügelt werden. Spätestens dann glaubt keiner mehr was und das Klischee vom risikofreien Politiker, der seine Konzepte ausschließlich wahlorientiert ausrichtet, bestätigt sich auf fatale Art und Weise.

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