Althaus starts up

Gestern abend war es soweit: Show­down auf allen medi­alen Kanälen und Titel­seiten der Print­me­dien. Der thüringis­che Min­is­ter­präsi­dent legte ein außeror­dentlich geschlif­f­enes Come­back in der ein­heimis­chen Staatskan­zlei hin. Bilder­buchreif und per­fekt insze­niert bis ins let­zte Detail.
Nach einer knap­pen emo­tionalen Ein­führung mit dem Resümee, dass der Ski­un­fall am Neu­jahrstag sein Leben für immer verän­dert hätte, gings dann über zur aktuellen Tage­sor­d­nung. Lokales Krisen­man­age­ment. Was nicht anders zu erwarten war.

Verän­dert wirkte Althaus allerd­ings: Im Gegen­satz zu früheren Tagen sah man einen Mann mit star­rem Blick über die Köpfe des ver­sam­melten Pub­likums sprechen. Ein­studiert wirk­ten seine Sätze und erin­nerten an das auswendig gel­ernte Referat eines Erstse­mes­ter – Stu­den­ten.

Und auch fürs abendliche Fernse­hin­ter­view hat­ten seine ein­schlägi­gen PR-Berater ganze Train­ingsar­beit geleis­tet: Ger­ade auf die heiklen Fra­gen kamen Althaus Antworten wie aus der Pis­tole geschossen, kurz und präg­nant.
Etwa auf die, ob er denn die Schuld an besagtem Ski­un­fall mit Todes­folge für die Skilehrerin Sabine Chri­s­tandl trage. Klares Ja. Ganz im Gegen­satz zu früheren State­ments, welche lediglich eine Ver­ant­wor­tung ein­räumten. So ist das halt mit moralis­chen Kat­e­gorien, man reift mit dem Abstand zum Ereig­nis. Nichts dage­gen zu sagen. Und auch die Frage, ob denn beispiel­sweise die Fotos mit seiner Frau am Grab des Vaters insze­niert gewe­sen seien, hätte das Jour­nal­is­ten­duo glatt sel­ber beant­worten kön­nen. Natür­lich nicht, „es waren halt immer Fotografen zuge­gen“. Was nachvol­lziehbar ist, und längst lässt sich das Gegen­teil nicht mehr beweisen. Schnee von gestern. Und selb­stver­ständlich legt der CDU-Spitzenkan­di­dat jetzt aller­größten Wert auf Kom­mu­nika­tion mit den Men­schen im Bun­des­land. Das war schon immer seine Sache.

So erin­nerte Althaus erster Auftritt eher an die Per­for­mance des Geschäfts­führers eines Startup – Unternehmens, dass am Markt bestens aufgestellt und für alle Prob­leme gewapp­net ist. Super robust und der­art aal­glatt, dass einem unheim­lich wird.

Diese Art Ver­bal-Man­age­ment kann alles und genau darin liegt ihr Prob­lem. Etwa dann, wenn Wider­sprüche rhetorisch clever weg gebügelt wer­den. Spätestens dann glaubt keiner mehr was und das Klis­chee vom risikofreien Poli­tiker, der seine Konzepte auss­chließlich wahlo­ri­en­tiert aus­richtet, bestätigt sich auf fatale Art und Weise.

Wel­come.