Von Claus Bach, 22. Februar 2012, 11:26 Uhr

…ist bekanntlich alles vorbei. Ganz faschingsfrei trifft das vor allem für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff zu.

Wenige Stunden nach seinem Abschied kursierte in den Medien ein Foto: Es zeigt das Ehepaar Wulff kurz vor der Abreise aus der Hauptstadt. Nach Hannover ins Einfamilienhaus. In einem Auto der Marke Skoda. Das soll wohl eine Art Bescheidenheit signalisieren.

Die Insassen wurden frontal per Blitz fotografiert. Wie ein Verkehrs-Beweisfoto sieht das aus. Als ob der Fahrer eine rote Ampel überfahren hat und erwischt wurde. Festgehalten für die reguläre Sündenkartei. Und sicherlich ganz mutwillig vom Fotografen für die Presse lanciert.

Denn dieser Moment wirkt wie ein ironisches Sinnbild zweier Monate, die freilich für die Betroffenen ein Martyrium waren.

Das dieselben daraus gelernt haben, darf indes bezweifelt werden. Denn selbst in seiner Rücktrittsrede gab sich der scheidende Bundespräsident gänzlich frei von jeder Schuld. Stattdessen wies er sie selbstverständlich den Medien zu.

Ob das allerdings so bleibt, darf ebenfalls bezweifelt  werden. Denn laut neuesten Recherchen verdichtet sich die Tatsache, dass Christian Wulff in Sachen fremdfinanzierter Urlaube durch einen Filmproduzenten nun wohl doch nicht gänzlich die Wahrheit gesagt habe.

Oder nur einen Teil des Teils des Teils preisgegeben hat. Also wie immer. Es wundert auch keinen mehr. Im Gegenteil: Fast wie erwartet.

Und was sagt uns das? Offensichtlich stehen wir hier einer frisch mutierten menschlichen Charakter-Spezies gegenüber: Sie kann unangenehme Tatsachen ins positive Gegenteil transformieren. Im weiteren Verlauf gipfelt diese Entwicklung in kompletten Realitätsverlust.

Eine Art human-psychologischer Surrealismus, wenn man so will.
Frei jeglicher Moral. Das wird Schule machen.

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