Von Claus Bach, 24. August 2016, 13:14 Uhr

„Urgent Photo“ steht auf der großen Reklametafel für einen Express- Dienst am Straßenrand.
Zu sehen ist sie links im Vordergrund einer quadratischen schwarzweiss- Photographie. Die großen weißen Lettern der Tafel dominieren das Bild. Im Hintergrund ist die streng gerasterte Front eines Beton- Gebäudes auszumachen. Infolge fehlenden Horizonts wirkt es noch wuchtiger.
Im Vordergrund laufen zwei Personen auf dem Fußgängerweg. Ganz links ein Passant hinter der Reklametafel. Von rechts geht eine dunkelhäutige Frau ins Bild. Auf der Straße dahinter fährt ein Auto in Gegenrichtung. Auf das Schild der Express- Photo- Reklame hat jemand einen Pfeil gemalt, der nach links unten zeigt. Daneben der ebenfalls handschriftliche Hinweis „Here“.
Ein subversiver Kommentar als visueller Fluchtweg aus zubetonierter Szenerie.
Eine trostlose Situation in der afrikanischen Großstadt Lagos, die einzig durch ihre Dynamik offen gehalten wird.

Gesehen und festgehalten hat sie der afrikanische Photograph Akinbode Akinbiyi im Jahr 2008.
„Ohne Titel“ nennt er lakonisch seine Aufnahme.

Photographiert wurde mit einer klassischen Rolleiflex- Mittelformat- Kamera, Akinbiyis Arbeitsgerät. Ein heute sogenannter analoger Kameratyp, der vor allem in den 1950iger- und 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts von Berufsphotographen verwendet wurde. Damit war man zwar nicht besonders schnell, dafür aber genau. Heute mag das antiquiert wirken. Aber man war gezwungen, abzuwarten. Bis sich eine prägnante Szene entwickelt hatte. Mit viel Geduld kam dann ein aussagekräftiges Bild heraus.

Und vielleicht ist es genau das, was Akinbiyis Photographien ausmachen.
Einerseits sind sie von analytisch- soziologischer Beobachtung der Megacities Afrikas geprägt.
Andererseits vermitteln sie immer das Gefühl, Teil der Situation zu sein. Nähe durch Distanz.
So gelingen Akinbode Akinbiyi eindringliche alltägliche Momentaufnahmen, die sich fern jedes zeitgenössischen Spektakels bewegen. Ohne sich in uferloser Depression zu gefallen. In den rasant wachsenden Großstädten des afrikanischen Kontinents erzählen sie vom Leben der kleinen Leute.

Die werden dabei aber nicht als hilflose Statisten in zubetonierten Stadtlandschaften vorgeführt, sondern als selbstbewusst agierende Persönlichkeiten dargestellt.
Und genau das ist das Besondere.

„Wanderungen durch urbane Landschaften“ nennt sich vielsagend seine Ausstellung, die nun während des diesjährigen Kunstfests in den Räumen der „Galerie Eigenheim“ am Weimarhallenpark zu sehen ist.
Gezeigt werden ausschließlich quadratisch- klassische schwarzweiss- Vergrößerungen im Format 30cm x 30cm.
Öffnungszeiten während des Kunstfests: Täglich von 12.00 bis 19.00 Uhr

Na bitte. Analog rockt eben doch.

 

 

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