Von Claus Bach, 31. Januar 2007, 11:26 Uhr

Nachdem reichlich zwei Jahre seit der Freigabe des größten Luftbildarchivs des zweiten Weltkrieges vom britischen Nationalarchiv für Internetnutzer vergangen sind, steht nun erstmals auch in Deutschland eine Datenbank aus derselben Zeit im Netz zur Verfügung: Dabei handelt es sich allerdings nicht um Luftbildaufnahmen, sondern um Fotografien aus dem Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar und dessen Umfeld. Seit vergangenem Freitag, dem 26. Januar 2007, kann man im „Digitalen Fotoarchiv Buchenwald“ eine Sammlung von etwa 500 Aufnahmen aus der Zeit des KZs per Datenbank zur Ansicht abrufen.
Und die hat es in sich: Über ein einfach zu bedienendes Menü gelangt man nicht nur rasch an die jeweiligen Bilder, sondern erhält auch Kenntnis über die Fotografen und die näheren Umstände, unter denen das entsprechende Foto entstanden ist. Banale Freizeitfotos des Lagers stehen in Korrespondenz zu den Aufnahmen, die von Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte bei ihrem ersten Eintreffen vor Ort gemacht worden sind.
So gerät man beim Suchen in ein Dickicht von Biografien, die sich eben nicht nur auf das bekannt-spektakuläre des KZs beschränken.
Und Vorsicht: Wer sich auf die Recherche der Datenbank einläßt, kommt so schnell nicht wieder heraus – er erlebt eine äußerst spannende Verknüpfung von Geschichten und Schicksalen, ohne dabei auch nur einer Spur von Voyeurismus zu verfallen – und genau das ist das Besondere.
Auch das schon überstrapazierte Schlagwort von der „Zukunft der Erinnerung“ wird durch die intelligente Synthese von Bilddokument und Information in neuem Licht sichtbar. Stellt sich doch beim Betrachten der Bilder ein Gefühl unmittelbarer Authentizität ein – man glaubt fast, Teil der damaligen Ereignisse zu sein. Ein groteskes Phänomen.
Akribisch genau recherchierte Holm Kirsten, wissenschaftliche Mitarbeiter der Gedenkstätte, für dieses Projekt weltweit in verschiedensten Archiven. Finanziert wurde es von der „Deutschen Forschungsgesellschaft“. Glückwunsch. Es geht auch anders – endlich mal eine gute Nachricht aus der Region, die auch überregional wahrgenommen wird. Und das nur zurecht.

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