Von Claus Bach, 15. März 2018, 11:43 Uhr

Nach langen Kontroversen hatte der Stadtrat von Trier das Gastgeschenk der Volksrepublik China im März vorigen Jahres angenommen:
Eine überlebensgroße Bronzeskulptur des weltberühmten Philosophen und Sohnes der Stadt: Karl Marx.
An prominenter Stelle wird er nun als 6,30 Meter hohe Figur aufgestellt werden. Unweit der ebenfalls weltberühmten Porta Nigra. Anlass ist sein 200. Geburtstag. Am 05. Mai 2018 wird die Riesenskulptur enthüllt.
Vermutlich wird die Figur des chinesischen Künstlers Wu Weishan für die Trierer sehr gewöhnungsbedürftig sein.
Denn ihre Größe erinnert freilich sofort an bronzenes Heldenpathos aus vergangenen DDR – Zeiten.
Im damaligen Karl – Marx – Stadt, dem heutigen Chemnitz, wurde im Jahr 1970 ein riesiger Kopf des Philosophen platziert. Aus rein propagandistischen Gründen und ohne jedweden örtlichen Bezug.
Die Skuptur des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel bekam im Volksmund rasch den Spitznamen „Nischel“. Die sächsische Bezeichnung für Kopf.
Bis heute blickt er sehr markig drein und ist mittlerweile Kult geworden.

Die Trierer Skulptur hingegen soll eher alltäglich aussehen:
Trotz ihrer Größe zeigt sie Karl Marx in alltäglicher Pose. Sein Blick ist in die Ferne gerichtet. Augenbrauen und Stirn sind gerunzelt und verleihen dem Gesicht einen nachdenklichen und eigensinnigen Ausdruck. Seine linke Hand hält passenderweise ein Buch. Die rechte greift zum Revers des Gehrocks, der von einer leichte Windbö gewölbt wird. Die Oberfläche ist eher zerschrunden denn glatt.

Das soll eine Distanz zu den bekannten heroischen Darstellungen erzeugen. Trotzdem bleibt dann noch die Größe. Die grenzt schon mutwillig ans Götzenhafte. Was wiederum mit China zu tun haben soll. Denn dort wird der deutsche Philosoph wie kein anderer verehrt. Bisweilen soll er mehr Geltung haben als seine chinesischen Altvorderen – Kollegen.
Allerdings begründet der Künstler besagte Größe des Denkmals ganz simpel: Von dieser Sichthöhe aus blickt der Riese in die zweite Etage des Karl – Marx – Hauses in der Brückenstraße. Auf Augenhöhe.

Und wie sagte kürzlich der amtierende Bürgermeister der Stadt Trier:
„Vor dreißig Jahren wäre ein solches Karl Marx – Denkmal in Trier selbstverständlich völlig undenkbar gewesen. Angesichts des kalten Kriegs und der Instrumentalisierung des Philosophen…“ Das ist wohl wahr.
Nun denn, bleiben wir gespannt.
Und warten darauf, wie der Trierer Volksmund die Riesenfigur zukünftig nennen wird.

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