Von Claus Bach, 28. Januar 2004, 17:38 Uhr

Erfurt, im Dezember 2003: Im Foyer des Thüringer Landtages  installierten Claus Bach und Marcel Köhler während der Adventszeit – der sogenannten „Weichen Jahreszeit“ – eine temporäre Zweigstelle der Thüringer Tafel:

Foyer des Thüringer Landtags, Tafelansicht

Abgeordnete und Besucher des Landtages waren eingeladen, aktiver Teil des sozialen Prozesses der Tafel-Bewegung zu werden – indem sie Sachspenden vor Ort in Form eigener überzähliger Lebensmittel und Kleiderspenden zur Verfügung stellten. Ihr politisches Alltagsgeschäft wurde direkt mit der Sensibilität für die prekäre Existenz anderer konfrontiert.

Im Verlauf der ersten zehn Tage passierte erstmal gar nichts:
Trotz optimaler Information und Organisation aller Beteiligten wurde fast nichts gegeben, ausgenommen die Initative der PDS: Deren Parteivorsitzender hatte medienwirksam zur Vernissage  einige „süße Kisten“ herbeigebracht. Ansonsten erkundigte sich die Landtagspräsidentin bei ihrer Referentin täglich nach der Anzahl der Spenden und war ziemlich pikiert ob der geringen Geberbereitschaft der Abgeorneten. Letztere liefen zwar sehr freundlich grüßend, aber eilig am lebendigen Stand der jeweiligen Tafelmitarbeiter vorbei.

Je mehr Tage vergingen, desto stärker geriet die Situation im Foyer des Landtags zur peinlichen soziologischen Zustandsbeschreibung.

In der zweiten Hälfte der Zeit änderten sich die Dinge zusehens: In den jeweiligen Parteisitzungen war am Rande diskutiert worden, wie mit der Situation umzugehen ist, was man spenden kann usw. Abgeordnete und Politiker verloren  ihre anfänglichen Berührungsängste, suchten das Gespräch mit den Tafelmitarbeitern und übergaben neben Lebensmitteln Kleidungsstücke und Geldspenden. Auch das Gästebuch wurde nun beschrieben. Am Ende der Aktion waren ca. 90 Sachspenden und Geldspenden im Wert von knapp 1000,- Euro zusammengekommen.
Einziger Wermutstropfen: Einige Tafelmitarbeiter verschiedener Thüringer Städte sagten ihre Mitarbeit am Projekt kurzfristig aus vermeintlichen Termingründen ab.

Das Projekt wurde von einer ungewöhnlich starken Medienresonanz begleitet. Die Vorsitzende des Blankenhainer Tafel e.V., Frau Beate Weber-Kehr, wurde vom MDR -Fernsehjournal zur „Thüringerin des Monats Dezember“ gewählt.

Thüringer Landtag 2003, Projektverlauf

Das Geschehen im Foyer des Thüringer Landtags

 

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