Von Claus Bach, 23. März 2011, 11:26 Uhr

Immer, wenn Katastrophenbilder wie die aus Japan endlos im Fernsehen laufen, gehen einigen Nachrichtenredaktionen die Pferde durch. Irgendwann reicht es einschaltquotentechnisch nicht mehr, die puren Ereignisse zu zeigen. Zu schnell nutzt sich die Wirkung der apokalyptischen Bilder ab. Also muss Musik zur Untermalung her.

Besonders gern werden dafür emotional rührselige Töne genutzt. „Menscheln“ heißt das dann im Journalisten-Jargon.

In der Regel wird diese Art des „Emo-Soundtracks“ von Privatsendern bevorzugt und soll eine besondere Art der Anteilnahme vermitteln. Dass das meist in penetranten Kitsch ausartet und die Opfer eher verhöhnt, ist zwangsläufig.

Doch diesmal hat sich auch die Nachrichtenredaktion eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht lumpen lassen: Besonders eifrige ZDF-VJs legten am 12. März in einer Zusammenfassung der japanischen Ereignisse Hand an. Für ihren Trümmer-Kurzfilm nutzten sie als kompatiblen Soundtrack den populären Klassiker des britischen Triphop – Kollektivs „Massive Attack“. Der heißt „Teardrop“. Was übersetzt soviel wie „Tränentropfen“ bedeutet.

Und so explodiert im Takt des Klassikers die äußere Hülle des ersten Blocks des Atomkraftwerks Fukushima. Danach krachen Häuser zusammen und verschwinden in der Flutwelle. Zwischendurch Menschen in Verzweiflung und Panik. Feuer in den Städten. Und zum zum Schluß dann nochmal der auseinanderfliegende Reaktorblock.

Krachbum. Was war denn das? Reichlich zweieinhalb Minuten lief diese bizarre eletronische Kurz-Katastrophensymphonie. Und man fragt sich, ob das womöglich ein neuer visueller Remix der Band selbst ist. Zur Verkaufsfördernung aus aktuellem Anlass.

Dabei gelten die britischen Eletronic-Pioniere als ausgesprochen medienkritisch. Und es nimmt Wunder, dass von deren Management noch keine Klage wegen Mißbrauchs eingereicht wurde.

Bis heute ist der peinliche Trümmerclip noch in der ZDF-Mediathek im Internet zu sehen. Obwohl es schon kurz danach massenhaft Proteste gegeben hat. Doch was sagt uns  das? Auch das öffentlich – rechtliche Fernsehen muß sich eben der privaten Konkurrenz stellen. Und dabei heiligt der Zweck eben jedes Mittel.

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