Von Claus Bach, 23. August 2006, 11:26 Uhr

oder: Traum und Wirklichkeit des Fotografenalltags: „Vielleicht haben auch Sie sich schon lange gewünscht, Ihre Fotos nicht nur der Öffentlichkeit zu präsentieren, sondern auch Geld mit Ihren Aufnahmen zu verdienen. Unser neues Projekt „augenzeuge.de“ bietet Ihnen jetzt die Chance, Ihre Fotos prominent zu veröffentlichen und dafür wie ein Profi-Fotograf honoriert zu werden…“ Das ist die kurze Einführung zur neuen Rubrik der Online-Ausgabe von stern.de, welches sich am Print-Magazin „VIEW“ des Magazins orientiert und jenes beschriebenes Credo verfolgt.
Ab August 2006 kann also jeder, welcher ein veröffentlichungswertes Digitalfoto schießt und es an die Redaktion von „augenzeuge.de“ schickt, unter Umständen ganz gut Kohle verdienen – das ist doch was, verlockend und nur gerecht gegenüber den sich so arrogant gebärdenden Profis.
Nun ist die Idee, als Verlag mit digitalem Volksbildmaterial publizistisch zu arbeiten, so neu freilich nicht.

Die „BILD“-Zeitung zelebriert die Angelegenheit schon seit einem Jahr außerordentlich erfolgreich und ist sich nicht zu schade, Ihren tapferen Bildlieferanten sogar einen Presseausweis anzubieten, welchen man aus der Zeitung selbst ausschneiden und mit eigenem Namen ausfüllen kann. Und so hat die Geburtsstunde der
„Volkspaparazzi“ ganz unspektakulär geschlagen. Von nun an müssen wir darauf gefasst sein, in wirklich jeder denkbar unangenehmen, halbwegs spektakulären Situation fotografiert und veröffentlicht zu werden.
Egal ob Promi oder Stino.

Doch bekanntlich laufen die Dinge immer anders als gedacht und so kam es im Falle von „augenzeuge.de“, wie es kommen mußte:
„Sehr geehrte User der VIEW-Fotocommunity, wir haben die Masse der Fotos, die Sie uns schicken
unterschätzt und kommen derzeit mit der Freigabe nicht hinterher. Da ständig neue Bilder einlaufen, kann es bis Mitte nächster Woche dauern, bis wir den Berg abgearbeitet haben. Leider werden uns extrem viele Fotos geschickt, die nicht zu augenzeuge.de passen. Das ist zum Teil unser eigener Fehler, weil wir vor dem Versand unserer Information am Dienstag Fotos auf augenzeuge.de haben erscheinen lassen, die ebenfalls nicht zu augenzeuge.de passen. Diese Fotos haben nachvollziehbarer Weise viele Nachahmer motiviert, uns ähnliches Material zu schicken…“

So wird nun also auch der seriöse „Stern“ die Geister nicht mehr los, die er einst rief.

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