Von Claus Bach, 13. Januar 2016, 21:19 Uhr

Im Grunde war er niemals hier. Der Mann, der vom Himmel fiel. Auf Erden, wie schnöde ist denn das.

„Chamäleon der Popmusik“ nannten ihn viele Journalisten.
Das mag vielleicht höchstens in musikalischer Hinsicht stimmen. Ansonsten ist es ein durchweg falsches Etikett, dass nicht mal im übertragenem Sinn zutrifft. Ein Chamäleon passt sich immer den Farben seiner Umwelt an.
Täuschend echt, um nicht entdeckt zu werden.

Und das kann man vom Popmusik – Impresario David Bowie nun schon mal gar nicht behaupten.
Eher das Gegenteil. Denn sein Erscheinungsbild hat er wie kein anderer auf der Bühne präsentiert verändert.
Ständig wechselnde Figuren und Rollen mit selbstironischer Reflexion.
Von Major Tom, Ziggy Stardust bis Lazarus. Das sollte seine letzte Rolle sein.

Eine konsequente Sache. Selbst seinen bevorstehenden Tod hat er als Inszenierung zelebriert.
Mit neuem Album.

Im Video zum Titelsong „Lazarus“ sieht man seinen verbundenen Kopf als close up. Zwei schwarze, kleine Knöpfe anstelle der Augen. Am Schluss verschwindet die ganze Figur im Schrank des Zimmers.
Fast beiläufig. Ein surrealer, medialer Abschied.

Seit seinem Tod am 10. Januar 2016 quillt besonders das Netz über von visuellen Zitaten und Kondolenzen.
All seine Figuren stehen nochmals auf und führen nun ein waberndes Eigenleben. Dank seines Publikums.

Besonders wörtlich genommen hat das Astronaut Chris Hadfield: Der widmete David Bowie bereits im Mai 2013 eine musikalische Hommage. Sein „Space Oddity“ erklang als Videomontage zur Gitarre von Bord der internationalen Raumstation.
Am Ende schwebt die Klampfe schwerelos im Raumschiff. Das dürfte im Sinne des Meisters sein.

Es gibt keinen, aber auch keinen vergleichbaren Künstler, der ein derart cooles Gesamtkunstwerk hinterlässt.

Doch selbst dieses Etikett schrammt an dem Mann vorbei. Das Geheimnis bleibt. Ihm war und ist nicht wirklich beizukommen.

Richtig weg wird er niemals sein. Was ist schon ein schnöder Körper. 

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