Aus fernen Welten

Im Grunde war er niemals hier. Der Mann, der vom Him­mel fiel. Auf Erden, wie schnöde ist denn das.

„Chamäleon der Pop­musik“ nan­nten ihn viele Jour­nal­is­ten.
Das mag vielle­icht höch­stens in musikalis­cher Hin­sicht stim­men. Anson­sten ist es ein durch­weg falsches Etikett, dass nicht mal im über­tra­genem Sinn zutrifft. Ein Chamäleon passt sich immer den Far­ben seiner Umwelt an.
Täuschend echt, um nicht ent­deckt zu wer­den.

Und das kann man vom Pop­musik – Impre­sario David Bowie nun schon mal gar nicht behaupten.
Eher das Gegen­teil. Denn sein Erschei­n­ungs­bild hat er wie kein anderer auf der Bühne präsen­tiert verän­dert.
Ständig wech­sel­nde Fig­uren und Rollen mit selb­stiro­nis­cher Reflex­ion.
Von Major Tom, Ziggy Star­dust bis Lazarus. Das sollte seine let­zte Rolle sein.

Eine kon­se­quente Sache. Selbst seinen bevorste­hen­den Tod hat er als Insze­nierung zele­bri­ert.
Mit neuem Album.

Im Video zum Titel­song „Lazarus“ sieht man seinen ver­bun­de­nen Kopf als close up. Zwei schwarze, kleine Knöpfe anstelle der Augen. Am Schluss ver­schwindet die ganze Figur im Schrank des Zim­mers.
Fast beiläu­fig. Ein sur­realer, medi­aler Abschied.

Seit seinem Tod am 10. Jan­uar 2016 quillt beson­ders das Netz über von visuellen Zitaten und Kon­dolen­zen.
All seine Fig­uren ste­hen nochmals auf und führen nun ein wabern­des Eigen­leben. Dank seines Pub­likums.

Beson­ders wörtlich genom­men hat das Astro­naut Chris Had­field: Der wid­mete David Bowie bere­its im Mai 2013 eine musikalis­che Hom­mage. Sein „Space Odd­ity“ erk­lang als Videomon­tage zur Gitarre von Bord der inter­na­tionalen Raum­sta­tion.
Am Ende schwebt die Klampfe schw­ere­los im Raum­schiff. Das dürfte im Sinne des Meis­ters sein.

Es gibt keinen, aber auch keinen ver­gle­ich­baren Kün­stler, der ein der­art cooles Gesamtkunst­werk hin­ter­lässt.

Doch selbst dieses Etikett schrammt an dem Mann vor­bei. Das Geheim­nis bleibt. Ihm war und ist nicht wirk­lich beizukom­men.

Richtig weg wird er niemals sein. Was ist schon ein schnöder Kör­per.