Aus gegebenem Anlass

Nach der gestri­gen Flugzeugkatas­tro­phe über den franzö­sis­chen Alpen hat die Berichter­stat­tung über das Ereig­nis einen mehr als bek­lem­menden Höhep­unkt erre­icht. Bisher blieb sowas ja immer den pri­vaten Medien vor­be­hal­ten.

Doch dies­mal muss ein Ruck durch die Medi­en­land­schaft der öffentlich – rechtlichen Nachrich­t­e­nanstal­ten Deutsch­lands gegan­gen sein.

Denn deren dra­matur­gis­cher Infor­ma­tions – Bogen span­nte sich von wieder­holt einge­blende­ten Luftauf­nah­men der ver­streuten Flugzeugtrüm­mer am Unglück­sort bis hin zur Live – Schalte an die Frank­furter Börse. Die Aktie des betrof­fe­nen Luft­fahrtun­ternehmens zeigte einen Wertev­er­lust an. Ach.

In gefühlter End­loss­chleife wurde reflexar­tig über mögliche Ursachen spekuliert. Ein­schlägige Experten gaben State­ments im Minu­ten­takt ab. Gefolgt von eingestreuten Rück­blicken ähn­licher Katas­tro­phen.

Unter­brochen wurde alles von Dis­tan­za­uf­nah­men der Ange­höri­gen der Opfer in Deutsch­land und Spanien. Beson­ders freilich auf den betr­e­f­fenden Flughäfen.

Nicht zu vergessen die fol­gerichti­gen State­ments der Regierungschefs der drei betrof­fe­nen Län­der.

Der Bürg­er­meis­ter einer kleinen Stadt in Nor­drhein – West­falen rang während seiner kurzen Rede mit den Trä­nen. Das war der vielle­icht berührend­ste Moment der gesamten Berichter­stat­tung.

Alles fol­gende mün­dete in Kaskaden diverser erweit­erter Ver­schwörungs­the­o­rien und wieder­holter Experten – State­ments.

Am Abend gipfelte die Sache dann auch noch in hastig zusam­mengeschnit­te­nen Son­der­sendun­gen, welche immer mit densel­ben Erken­nt­nis­sen ende­ten.

Nichts ist eben wirk­lich sicher und so weiter.
Erneute Inter­views mit Fre­un­den und Ange­höri­gen von Opfern.
Hart an der Vor­führe vor­bei.

Freilich ist das für alle ein Schock.
Doch unver­hält­nis­mäßige Nachrichten – Hys­terie wird da bes­timmt nicht weiter helfen.

Eher wird sie das Gegen­teil von Anteil­nahme und Trauer erzeu­gen.
Und das nennt sich schlicht Über­druss.

Oder auch Nachrichten – Voyeuris­mus. Ein banales Phänomen. Jeder Blick und Klick zählt eben.

Der zeit­genös­sis­che Infor­ma­tion­s­markt braucht seine Aufmerk­samkeits – Teilchenbeschle­u­niger.
Ab sofort folgt der Nachrichten – Inhalt auss­chließlich der Form.

Und das ist der eigentliche Schock.