Von Claus Bach, 25. März 2015, 12:46 Uhr

Nach der gestrigen Flugzeugkatastrophe über den französischen Alpen hat die Berichterstattung über das Ereignis einen mehr als beklemmenden Höhepunkt erreicht. Bisher blieb sowas ja immer den privaten Medien vorbehalten.

Doch diesmal muss ein Ruck durch die Medienlandschaft der öffentlich – rechtlichen Nachrichtenanstalten Deutschlands gegangen sein.

Denn deren dramaturgischer Informations – Bogen spannte sich von wiederholt eingeblendeten Luftaufnahmen der verstreuten Flugzeugtrümmer am Unglücksort bis hin zur Live – Schalte an die Frankfurter Börse. Die Aktie des betroffenen Luftfahrtunternehmens zeigte einen Werteverlust an. Ach.

In gefühlter Endlosschleife wurde reflexartig über mögliche Ursachen spekuliert. Einschlägige Experten gaben Statements im Minutentakt ab. Gefolgt von eingestreuten Rückblicken ähnlicher Katastrophen.

Unterbrochen wurde alles von Distanzaufnahmen der Angehörigen der Opfer in Deutschland und Spanien. Besonders freilich auf den betreffenden Flughäfen.

Nicht zu vergessen die folgerichtigen Statements der Regierungschefs der drei betroffenen Länder.

Der Bürgermeister einer kleinen Stadt in Nordrhein – Westfalen rang während seiner kurzen Rede mit den Tränen. Das war der vielleicht berührendste Moment der gesamten Berichterstattung.

Alles folgende mündete in Kaskaden diverser erweiterter Verschwörungstheorien und wiederholter Experten – Statements.

Am Abend gipfelte die Sache dann auch noch in hastig zusammengeschnittenen Sondersendungen, welche immer mit denselben Erkenntnissen endeten.

Nichts ist eben wirklich sicher und so weiter.
Erneute Interviews mit Freunden und Angehörigen von Opfern.
Hart an der Vorführe vorbei.

Freilich ist das für alle ein Schock.
Doch unverhältnismäßige Nachrichten – Hysterie wird da bestimmt nicht weiter helfen.

Eher wird sie das Gegenteil von Anteilnahme und Trauer erzeugen.
Und das nennt sich schlicht Überdruss.

Oder auch Nachrichten – Voyeurismus. Ein banales Phänomen. Jeder Blick und Klick zählt eben.

Der zeitgenössische Informationsmarkt braucht seine Aufmerksamkeits – Teilchenbeschleuniger.
Ab sofort folgt der Nachrichten – Inhalt ausschließlich der Form.

Und das ist der eigentliche Schock.

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