Aus Liebe gewidmet,

von Deinem Schwest­er­lein Mia“, steht rück­seitig auf einer der vie­len schwarz weiß -Fotografien, welche seit eini­gen Wochen im „Fachgeschäft für vergessene Pri­vat­fo­tografien“ in den Erdgeschoßräu­men der Karl – Liebknecht – Straße 10 im Zen­trum von Weimar zu besichti­gen sind.

Anke Heele­mann, Stu­dentin der Fakultät Medien der Bauhaus-Uni­ver­sität ist die Sache nun ihre Diplo­mar­beit wert: Und so kann man fast täglich in den akribisch beschrifteten Schubkästchen ihres kleinen Archivladens besagte Fotos betra­chten und nachvol­lziehen, wie sich unbekan­nte Men­schen in ihren beson­deren Lebens­mo­menten selbst präsen­tierten:

Feiern und Jubliäen jeglicher Coleur sind klarer Favorit, flankiert von völ­lig banalen Leben­saugen­blicken wie „Zur Erin­nerung an den 30.01.1967“ oder „Es waren schöne Stun­den, sie wer­den unvergesslich bleiben“. Doch auch nach wiederkehren­den typ­is­chen Motiven wurde sortiert: „Am Tisch“, „Halb angeschnit­ten“, „Köpfe“, „Mit Blu­men“, „unscharf“ und so weiter. Freilich dür­fen die berühmt- berüchtigten Urlaub­s­dias nebst spez­i­fis­chen Präsen­ta­tion­sap­pa­ra­turen auch nicht fehlen. Die meis­ten dieser Fund­stücke wur­den auf Flohmärk­ten und in Trödel­lä­den erwor­ben.

Beim Lesen und Betra­chten dieser Auf­nah­men wird rasch eine gewisse immer­währende roman­tis­che Ironie frei, die wir alle nur zu gut aus der eige­nen Biografie ken­nen und auch heute noch mit Sicher­heit für diverse Erin­nerungs -und Spass­party -Fotos lustvoll zele­bri­eren.

Und was machen wir damit, wenn der sprich­wörtliche Spaß aufhört oder eine dieser Sit­u­a­tio­nen ein­tritt, welche uns eine spon­tane Entschei­dung über Verbleib und Mit­nahme wichtiger per­sön­licher Dinge unseres Lebens abnötigt?

Genau hier setzt Anke Heele­manns Pro­jekt an: Sie stellt die Frage nach dem Wert solch inflä­tionär banaler Bilder und vor allem, wie später damit umge­gan­gen wird. Also die typ­is­chen Grun­dastzfra­gen zum klas­sis­chen Bildmedium schlechthin.

Ein­fach­stes Mit­tel zum Zweck dafür ist das Gespräch mit den Besuch­ern vor Ort und die Ein­beziehung der­sel­ben ins Geschehen – und das ist dann schon nicht mehr so klas­sisch, son­dern in der Tat eher ungewöhn­lich:

So kann man denn mit­tels auszufül­len­dem For­mu­lar eine Art Paten­schaft für ein selbst gewähltes Bild des Fachgeschäfts übernehmen und sich damit freilich auch verpflichten, gut für es zu sor­gen: Durch Rah­mung und Pflege, der weit­eren Ver­wen­dung und einem späteren Bericht darüber.

Und freilich gibt es auch die Verbindung zum Leben im Netz:
Unter http://www.vergessene-fotos.de sind die neusten Aktiv­itäten wie auch die Rubrik „Bild des Tages“ zu betra­chten oder der bewußte Newslet­ter zu abonieren.

Doch besser ist es alle­mal, die Angele­gen­heit direkt vor Ort zu spüren. Wer weiß, wie lange wir über­haupt noch richtige Fotos im Album oder im Kar­ton in der Hand hal­ten wer­den – anstatt sie auf der han­del­süblichen ordinären CD im Rech­ner betra­chten zu müssen. Seien wir ges­pannt auf den Fort­gang des Pro­jekts.