Von Claus Bach, 23. August 2006, 11:26 Uhr

von Deinem Schwesterlein Mia“, steht rückseitig auf einer der vielen schwarz weiß -Fotografien, welche seit einigen Wochen im „Fachgeschäft für vergessene Privatfotografien“ in den Erdgeschoßräumen der Karl – Liebknecht – Straße 10 im Zentrum von Weimar zu besichtigen sind.

Anke Heelemann, Studentin der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität ist die Sache nun ihre Diplomarbeit wert: Und so kann man fast täglich in den akribisch beschrifteten Schubkästchen ihres kleinen Archivladens besagte Fotos betrachten und nachvollziehen, wie sich unbekannte Menschen in ihren besonderen Lebensmomenten selbst präsentierten:

Feiern und Jubliäen jeglicher Coleur sind klarer Favorit, flankiert von völlig banalen Lebensaugenblicken wie „Zur Erinnerung an den 30.01.1967“ oder „Es waren schöne Stunden, sie werden unvergesslich bleiben“. Doch auch nach wiederkehrenden typischen Motiven wurde sortiert: „Am Tisch“, „Halb angeschnitten“, „Köpfe“, „Mit Blumen“, „unscharf“ und so weiter. Freilich dürfen die berühmt- berüchtigten Urlaubsdias nebst spezifischen Präsentationsapparaturen auch nicht fehlen. Die meisten dieser Fundstücke wurden auf Flohmärkten und in Trödelläden erworben.

Beim Lesen und Betrachten dieser Aufnahmen wird rasch eine gewisse immerwährende romantische Ironie frei, die wir alle nur zu gut aus der eigenen Biografie kennen und auch heute noch mit Sicherheit für diverse Erinnerungs -und Spassparty -Fotos lustvoll zelebrieren.

Und was machen wir damit, wenn der sprichwörtliche Spaß aufhört oder eine dieser Situationen eintritt, welche uns eine spontane Entscheidung über Verbleib und Mitnahme wichtiger persönlicher Dinge unseres Lebens abnötigt?

Genau hier setzt Anke Heelemanns Projekt an: Sie stellt die Frage nach dem Wert solch inflätionär banaler Bilder und vor allem, wie später damit umgegangen wird. Also die typischen Grundastzfragen zum klassischen Bildmedium schlechthin.

Einfachstes Mittel zum Zweck dafür ist das Gespräch mit den Besuchern vor Ort und die Einbeziehung derselben ins Geschehen – und das ist dann schon nicht mehr so klassisch, sondern in der Tat eher ungewöhnlich:

So kann man denn mittels auszufüllendem Formular eine Art Patenschaft für ein selbst gewähltes Bild des Fachgeschäfts übernehmen und sich damit freilich auch verpflichten, gut für es zu sorgen: Durch Rahmung und Pflege, der weiteren Verwendung und einem späteren Bericht darüber.

Und freilich gibt es auch die Verbindung zum Leben im Netz:
Unter http://www.vergessene-fotos.de sind die neusten Aktivitäten wie auch die Rubrik „Bild des Tages“ zu betrachten oder der bewußte Newsletter zu abonieren.

Doch besser ist es allemal, die Angelegenheit direkt vor Ort zu spüren. Wer weiß, wie lange wir überhaupt noch richtige Fotos im Album oder im Karton in der Hand halten werden – anstatt sie auf der handelsüblichen ordinären CD im Rechner betrachten zu müssen. Seien wir gespannt auf den Fortgang des Projekts.

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