Aus Thüringen…

kommt mehr als man denkt“, verkün­det selb­st­sicher die aktuelle Thürin­gen – Imagekam­pagne des Min­is­teri­ums für Wirtschaft, Tech­nolo­gie und Arbeit. Und so wer­den also in den näch­sten Wochen vier ver­schiedene Plakat­mo­tive an den örtlichen Lit­faßsäulen kleben, welche mit­tels Kar­rikatur iro­nisch mit dem Motiv der Bratwurst spie­len. Denn das – so verkün­den die Macher der Kam­pagne – sei das einzige inter­na­tional wahrgenommene medi­ale Sym­bol, durch welches Thürin­gen unver­wech­sel­bar markiert ist. Eine klare Ein­sicht, an der nicht viel zu rüt­teln ist, allen Pein­lichkeiten inbe­grif­fen.  Doch was ist zu sehen: Auf besagten Kar­rika­turen fungiert die Bratwurst als visuelles Vehikel für die eigentlichen her­aus­ra­gen­den High­tech-Entwick­lun­gen unseres Bun­des­lan­des: So wird sie mal als Tele­fon, Fer­n­rohr, mp3-player und LCD-Mon­i­tor dargestellt und von lustig- dick­lich geze­ich­neten Män­nern benutzt, was umso selb­stiro­nis­cher wirken soll. Ins­ge­samt also eine witzig gemeinte Rät­selkam­pagne, die mehr als Alt­bekan­ntes mit Neuem, Unbeachteten auf möglichst volk­tüm­lich ein­fache Art verbinden möchte. Zitat der Macher: „Wir möchten die Leute bei der Bratwurst abholen“ Dass dabei ein ausseror­dentlich abge­drosch­enes Motiv ganz absichtlich benutzt wird, kommt allerd­ings unfrei­willig einem medi­alen Offen­barung­seid gle­ich und befördert so endgültig das Bratwurstim­age des Bun­des­lan­des mit den san­ften Hügeln.
Ver­ant­wortlich für dieses Konzept war wie immer in die Berliner Agen­tur DDB, welche schein­bar eine Art Auf­trags-Abo beim Thüringer Tech­nolo­giem­i­nis­terium besitzt: Sel­bige hatte auch schon die let­zte Rät­selfoto-Imagekam­pagne in alt­be­währter Weise erledigt. Die hieß damals „Willkom­men in der Denk­fab­rik“
Vielle­icht – oder bes­timmt täte es dem Erschein­ings­bild unseres Bun­des­lan­des gut, eine Art Ideen­wet­tbe­werb auszuschreiben. Es soll ja auch in Thürin­gen eine Menge Agen­turen, eine Uni­ver­sität mit den Fakultäten Gestal­tung und Medien geben.
Deren Stu­den­ten und Absol­ven­ten wer­den allerd­ings ziem­lich herun­terges­part – ganz im Gegen­satz zum Etat der Bratwurstkam­pagne.