Bewegende Zeitreise

Wer von den aktiven DDR – Ost­seeurlaubern erin­nert sich nicht an diese Film­paläste. Meist lagen sie unweit der damals so begehrten Camp­ing­plätze ent­lang der Küste. Von Boltenhagen bis Ahlbeck.

Anfänglich wie überdi­men­sion­ale Hauszelte errichtet, wur­den sie später dauer­haft mit einem run­den Man­tel aus Well­stahlblech über­zo­gen.

So standen bege­hbare, längs hal­bierte und quergelegte Kon­ser­ven­büch­sen in der Land­schaft. Futur­is­tisch sah das aus und glich gelande­ten UFO’s.

Zu sehen waren immer die jew­eili­gen Filme der Sai­son des „Progress“- Filmver­leihs der DDR. Ange­fan­gen von frisch pro­duzierten DEFA- Indi­an­er­fil­men. Bis hin zu eingekauften Streifen west­licher Pro­duk­tion.
Ein bre­ites cineast­is­ches Spek­trum, für welches in der Hoch­sai­son extra Karten- Vorverkauf­szeiten ein­gerichtet wur­den.

Bis heute fris­ten diese prähis­torischen Objekte ihr Dasein. Wie Fremd­kör­per ragen sie aus den ring­sum domes­tizierten Ferien­haus – Land­schaften her­aus.
Als funk­tion­stüchtige Relikte ost­deutscher Urlaub­sver­gan­gen­heit.
Visuellen Stolper­steinen gle­ich.

„Dauer­haft bestands­gesichert“ führen diese Kinos ein beschauliches Eigen­leben. Betritt man eines, gle­icht das dem Ein­stieg in eine Zeitkapsel.

Sofort fährt der typ­is­che Geruch aus furnierter Kun­st­stoff – Hart­faser­platte, muf­figem Pol­ster und ver­brauchter Luft in die Nase. Und auch die restliche Zeltkino – Phänom­e­nolo­gie stellt sich rasch ein.

Manch­mal übertönt ein­set­zen­der Regen den Film­ton. Der Gang zur Toi­lette zieht eine Fil­munter­brechung infolge ein­drin­gen­den Tages­lichts nach sich.

Heute besteht deren Pro­gramm meist aus gängi­gen saisonalen Block­bustern. Mit denen flächen­deck­end sämtliche Mul­ti­plex – Paläste des Lan­des pen­etri­ert wer­den. Je nach Aktiv­ität der Betreiber vor Ort. Die Kosten für Beschaf­fung und Ver­leih „anderer“ Filme seien zu hoch und nicht rentabel für kleine Kinos.

Doch nun ist Im Ost­see – Erhol­ung­sort Born der Ern­st­fall einge­treten:
Der Betreiber hat sein Zeltkino aufgegeben.
Die Grün­fläche daneben wird jetzt als kleine Pfer­dekop­pel genutzt.

Und davor wedelt eine ver­schlis­sene Fahne der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land am Mast.

So sieht wohl Endzeit­stim­mung aus.