Von Claus Bach, 27. Mai 2015, 14:20 Uhr

Wer von den aktiven DDR – Ostseeurlaubern erinnert sich nicht an diese Filmpaläste. Meist lagen sie unweit der damals so begehrten Campingplätze entlang der Küste. Von Boltenhagen bis Ahlbeck.

Anfänglich wie überdimensionale Hauszelte errichtet, wurden sie später dauerhaft mit einem runden Mantel aus Wellstahlblech überzogen.

So standen begehbare, längs halbierte und quergelegte Konservenbüchsen in der Landschaft. Futuristisch sah das aus und glich gelandeten UFO’s.

Zu sehen waren immer die jeweiligen Filme der Saison des „Progress“- Filmverleihs der DDR. Angefangen von frisch produzierten DEFA- Indianerfilmen. Bis hin zu eingekauften Streifen westlicher Produktion.
Ein breites cineastisches Spektrum, für welches in der Hochsaison extra Karten- Vorverkaufszeiten eingerichtet wurden.

Bis heute fristen diese prähistorischen Objekte ihr Dasein. Wie Fremdkörper ragen sie aus den ringsum domestizierten Ferienhaus – Landschaften heraus.
Als funktionstüchtige Relikte ostdeutscher Urlaubsvergangenheit.
Visuellen Stolpersteinen gleich.

„Dauerhaft bestandsgesichert“ führen diese Kinos ein beschauliches Eigenleben. Betritt man eines, gleicht das dem Einstieg in eine Zeitkapsel.

Sofort fährt der typische Geruch aus furnierter Kunststoff – Hartfaserplatte, muffigem Polster und verbrauchter Luft in die Nase. Und auch die restliche Zeltkino – Phänomenologie stellt sich rasch ein.

Manchmal übertönt einsetzender Regen den Filmton. Der Gang zur Toilette zieht eine Filmunterbrechung infolge eindringenden Tageslichts nach sich.

Heute besteht deren Programm meist aus gängigen saisonalen Blockbustern. Mit denen flächendeckend sämtliche Multiplex – Paläste des Landes penetriert werden. Je nach Aktivität der Betreiber vor Ort. Die Kosten für Beschaffung und Verleih „anderer“ Filme seien zu hoch und nicht rentabel für kleine Kinos.

Doch nun ist Im Ostsee – Erholungsort Born der Ernstfall eingetreten:
Der Betreiber hat sein Zeltkino aufgegeben.
Die Grünfläche daneben wird jetzt als kleine Pferdekoppel genutzt.

Und davor wedelt eine verschlissene Fahne der Bundesrepublik Deutschland am Mast.

So sieht wohl Endzeitstimmung aus.

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