Bilder und Zeiten

So heißt eine Reihe von Foto­buch – Pub­lika­tio­nen des Leipziger Lehm­st­edt-Ver­lages. Seit reich­lich zehn Jahren wid­met er sich fotografis­chen Abbil­dun­gen der Alt­ags – und Zeit­geschichte Mit­teldeutsch­lands.
Mit anderen Worten: Momen­tauf­nah­men aus ver­gan­genen DDR – Zeiten. Bis heute kon­nte sich der Ver­lag damit erfol­gre­ich posi­tion­ieren.
Vor allem deshalb, weil seine her­aus­gegebe­nen Pub­lika­tio­nen stets außeror­dentlich real­itäts­be­zo­gen waren: Ungeschönte Gegen­wär­tigkeit, fernab von pen­e­tran­ter Ost-Nos­tal­gie. Ungewöhn­lich ist dabei auch die Beto­nung auf reine schwarz-weiß-Fotografie.
Das fällt auf in unserer durch­weg knall­bunt abge­bilde­ten Welt.
Umso mehr dann, wenn die Arbeiten vergessener Fotografen und Fotografinnen aus der Versenkung geholt wer­den.
So auch in der neuesten Pub­lika­tion mit Arbeiten des lei­der zu früh ver­stor­be­nen Fotografen Chris­t­ian Borchert.
Mit obszes­siver Energie hatte er über achtzig Fam­i­lien unter­schiedlich­ster Berufe und sozialer Milieus in ihren Leben­sräu­men aufgenom­men. Auf sehr nüchterne, unspek­takuläre Art und Weise. Viele Fam­i­lien und Lebens­ge­mein­schaften besuchte er mehrmals, in zeitlich großem Abstand.

Zwis­chen den Jahren 1983 und 1993 ent­stand mehr als eine Ansamm­lung diverser Fam­i­lienchroniken. Wir haben es mit einem einzi­gar­tigem Zeit­doku­ment zu tun, welches ger­ade die Verän­derun­gen im Osten Deutsch­lands in sehr pri­vaten Momenten zeigt.

Mit einer Betra­ch­tungs­dis­tanz von 20 Jahren wird das nun erst recht deut­lich. Bisher wur­den die Fam­i­lien­porträts Borcherts immer nur frag­men­tarisch veröf­fentlicht. Bekannt waren sie ja schon immer.

Erst­mals legt nun der Lehm­st­edt-Ver­lag die kom­plette Samm­lung dieser Arbeiten in einer würdi­gen Pub­lika­tion vor. In Zusam­me­nar­beit mit der Deutschen Fotothek Dres­den.

Eigentlich war das längst über­fäl­lig. Ein Klas­siker.