Blicke zurück nach vorn

Mit pen­e­tran­ter Regelmäßigkeit wid­men sich Ausstel­lun­gen ver­schieden­ster Coleur dem Leben in der ehe­ma­li­gen DDR.
Gle­ich zwei davon wur­den nun ver­gan­gene Woche in der thüringis­chen Lan­deshaupt­stadt Erfurt eröffnet. Und die kön­nen unter­schiedlicher nicht sein.

Die erste ist eine Dauer­ausstel­lung in der ehe­ma­li­gen Unter­suchung­shaf­tanstalt der Staatssicher­heit. Vor einem Jahr wurde sie aufwendig zur „Gedenk – und Bil­dungsstätte Andreasstraße“ umge­baut.
„Haft, Dik­tatur, Rev­o­lu­tion. Thürin­gen 1949 – 1989.“ heißt die Präsen­ta­tion.
Auf zwei Eta­gen durch­läuft der Besucher den the­men­be­zo­ge­nen Par­cours. Allerd­ings erfährt er bisweilen mehr über den DDR – All­tag als das Leben­sum­feld der ehe­mals inhaftierten Per­so­nen.

So ist es nicht wirk­lich nachvol­lziehbar, was ein Moped der DDR – Marke „Star“ und diverse Lizenz – Schallplat­ten mit dem behaupteten Thema zu tun haben. Näm­lich rein gar nichts.

Das ist in jeder beliebi­gen DDR – All­t­agsausstel­lung zu sehen und kon­terkari­ert die Angele­gen­heit eher. Ordinäre Folk­lore. Ganz davon abge­se­hen, dass sich ehe­ma­lige Häftlinge ziem­lich düpiert vorkom­men müssen.

Dass es auch anders geht, beweist die Ausstel­lung „Zwis­chen Ausstieg und Aktion“ in der Kun­sthalle Erfurt:

Nach zwei­jähriger Recherche der Kura­torin­nen ist eine äußerst aus­sagekräftige Präsen­ta­tion der Erfurter Sub­kul­tur der 1960iger, 1970iger und 1980iger Jahre her­aus­gekom­men. Mutwillige Besucher soll­ten unbe­d­ingt mehrere Stun­den zur Besich­ti­gung ein­pla­nen. Es lohnt sich näm­lich wirk­lich.

Und durch die stim­ulierende Mélange aus Skulp­tur, Instal­la­tion, Malerei, Grafik, Fotografie und Super-8 Film wird die Sache sogar richtig span­nend. Auch für Besucher unter­schiedlich­ster Herkunft und Alters.

Manch­mal hat man das Gefühl, als Teil des Prozesses mit­ten im Geschehen zu sein.

Und wird dabei nicht ein einziges Mal mit der gängi­gen infan­tilen DDR – Roman­tik pen­etri­ert. Ebenso wird das sonst übliche post – szene – imma­nente Heldenkün­stler­pathos erfrischend aufge­brochen.
Hut ab, das will erst­mal geschafft sein.

Flankiert wird das Ausstel­lung­spro­jekt von einem umfan­gre­ichen Ver­anstal­tung­spro­gramm.
Fazit: So vital kann lokale Geschichts – Aufar­beitung gehen.

Die Pro­jek­tver­ant­wortlichen in der „Gedenk – und Bil­dungsstätte Andreasstraße“ haben indes noch sehr viel Arbeit vor sich.