Von Claus Bach, 11. Dezember 2013, 13:07 Uhr

Mit penetranter Regelmäßigkeit widmen sich Ausstellungen verschiedenster Coleur dem Leben in der ehemaligen DDR.
Gleich zwei davon wurden nun vergangene Woche in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt eröffnet. Und die können unterschiedlicher nicht sein.

Die erste ist eine Dauerausstellung in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit. Vor einem Jahr wurde sie aufwendig zur „Gedenk – und Bildungsstätte Andreasstraße“ umgebaut.
„Haft, Diktatur, Revolution. Thüringen 1949 – 1989.“ heißt die Präsentation.
Auf zwei Etagen durchläuft der Besucher den themenbezogenen Parcours. Allerdings erfährt er bisweilen mehr über den DDR – Alltag als das Lebensumfeld der ehemals inhaftierten Personen.

So ist es nicht wirklich nachvollziehbar, was ein Moped der DDR – Marke „Star“ und diverse Lizenz – Schallplatten mit dem behaupteten Thema zu tun haben. Nämlich rein gar nichts.

Das ist in jeder beliebigen DDR – Alltagsausstellung zu sehen und konterkariert die Angelegenheit eher. Ordinäre Folklore. Ganz davon abgesehen, dass sich ehemalige Häftlinge ziemlich düpiert vorkommen müssen.

Dass es auch anders geht, beweist die Ausstellung „Zwischen Ausstieg und Aktion“ in der Kunsthalle Erfurt:

Nach zweijähriger Recherche der Kuratorinnen ist eine äußerst aussagekräftige Präsentation der Erfurter Subkultur der 1960iger, 1970iger und 1980iger Jahre herausgekommen. Mutwillige Besucher sollten unbedingt mehrere Stunden zur Besichtigung einplanen. Es lohnt sich nämlich wirklich.

Und durch die stimulierende Melange aus Skulptur, Installation, Malerei, Grafik, Fotografie und Super-8 Film wird die Sache sogar richtig spannend. Auch für Besucher unterschiedlichster Herkunft und Alters.

Manchmal hat man das Gefühl, als Teil des Prozesses mitten im Geschehen zu sein.

Und wird dabei nicht ein einziges Mal mit der gängigen infantilen DDR – Romantik penetriert. Ebenso wird das sonst übliche post – szene – immanente Heldenkünstlerpathos erfrischend aufgebrochen.
Hut ab, das will erstmal geschafft sein.

Flankiert wird das Ausstellungsprojekt von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm.
Fazit: So vital kann lokale Geschichts – Aufarbeitung gehen.

Die Projektverantwortlichen in der „Gedenk – und Bildungsstätte Andreasstraße“ haben indes noch sehr viel Arbeit vor sich.

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