Von Claus Bach, 21. März 2018, 12:25 Uhr

„Die Häuser sollen denen gehören, die drin wohnen!“ Dieser Spruch war vor etwa 28 Jahren an diversen besetzten Gebäuden zu lesen. Speziell im rechtsfreien Zwischenraum der Wendezeit wurde diese Parole besonders in Ostdeutschland gelebt.
Zuerst erkundete man ein leerstehendes Haus. Danach verschaffte man sich Zugang und zog ein. Noch ein neues Schloss eingebaut, einen Briefkasten mit Namen angebracht, und fertig. Je mehr neue Mitbewohner nachzogen, desto besser. Wenn sich der Eigentümer meldete, verhandelte man und einigte sich irgendwie. Temporär.
Diese Tatsachen schufen damals auch junge Zeitgenossen in Weimar. Im März 1990 besetzten sie das Haus in der Gerberstrasse 3. Ein Brand im Erdgeschoss hatte es unbewohnbar gemacht, die restlichen Etagen waren noch einigermaßen in Schuss. Rasch war das Objekt provisorisch ausgebessert, bezogen und belebt.
Und selbstverständlich gehörten Konzertraum und Kneipe dazu. Gerade letztere wurde das Sammelbecken für Nachtschwärmer unterschiedlichster sozialer Couleur. Also ein buntes Haus im ansonsten noch grauen Bild der Kulturstadt. Kult.
Auch die Hausbesitzerin im Westen spielte mit und überließ ihr Objekt den „Jungen Leuten“. Allerdings musste ein Nutzungskonzept mit Verein her. Allein schon, um den Dauerstress mit Nachbarn und Stadtvätern einzudämmen.
So ließen sich nun auch projektbezogene Fördertöpfe anzapfen.
„Haus für Soziokultur e.V.“ war der kleinste gemeinsame Nenner. Eine schwere Geburt im Dauerstreit der Besetzer. Er fasste alle Aktivitäten zusammen, die sich mit dem Engagement für alternative Jugendkultur verbanden. Rückblickend war das der entscheidende Schritt zur Akzeptanz des Hauses. Machte er doch nun Aktivitäten wie Kinderladen, Fahrradwerkstatt, das Kino „Filmriss“, Konzerte inklusive dem Tonstudio „Wunderbar“ möglich.
Und auch parteipolitisch – gebundene Profilierungen wie die der jetzigen Bundeskanzlerin Angela Merkel waren drin: In Form einer Scheck-Übergabe für die Fußbodenheizung der Kneipe im Jahre 1992. Ausgerechnet. So gingen die Jahre ins Land. Die Benutzer – Generationen wechselten, Aktionisten gingen und kamen.
Einer von ihnen kandidierte auch schon mal im Jahr 2000 zur Oberbürgermeisterwahl.
Irgendwann wurden die ABM-Stellen gekürzt. Irgendwann fehlte das Kino. Irgendwann sind aus Besetzern temporäre Bewohner geworden. Doch die vergessen das Jubiläum Ihres Hauses nicht und feiern die Angelegenheit.
Einer der Höhepunkte soll die „3 Generations – Party am 23. März werden. Bespielt von den Altpunkern der Band „Küchenspione“ und Ur – Küchenmutter „Brillo“.
So ist die „Gerber“ Im 28. Jahr ihres Bestehens zum festen Bestandteil der örtlichen Alltagskultur geworden.
Es hätte auch anders kommen können.

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