Von Claus Bach, 1. April 2015, 10:46 Uhr

So lautete die Teilbezeichnung des Buchenwald – Hauptprozesses der US-Army im Jahre 1945. In dessen Umfeld mussten am 16. April 1945 tausend Bewohner Weimars das KZ Buchenwald besichtigen.
Vor 70 Jahren brachen sie bei frühlingshafter Witterung zum Ausflug in die Sommerfrische des Etterbergs auf. So zeigen es die Bilder des damaligen US – Kamerateams.

Die Weimarer waren auf den Besuch eines Freiluft – Arbeitslagers eingerichtet, in dem hauptsächlich Kriminelle und Kriegsgefangene interniert waren. Die gab es überall. So wurde die Existenz des KZs von der offiziellen NS-Propaganda gerechtfertigt.

Den weiteren Besuchsverlauf erzählen die Bilder. Minutiös mussten die Weimarer den Beschreibungen der ausgeklügelten SS – Tötungsmechanismen beiwohnen.
Erklärt von den ehemaligen Häftlingen, die noch dazu imstande waren.

Spätestens beim Anblick der Berge übereinander gehäufter Leichen im Hof des Krematoriums wurden die tausend von der Realität eingeholt. Wer nicht ohnmächtig wurde, starrte unbeweglich auf den Ort. Oder abwesend in die Ferne.

Der Schock saß tief und die Reaktion der Weimarer ebenfalls. „…Nichts gewusst“ lautete die bekannte Schutzbehauptung.

Deren ordinäre Verlogenheit ist in die Geschichte eingegangen.
Überflüssig zu sagen, dass das zum Massenphänomen der NS-Vergangenheitsbewältigung wurde.
Oder, zynisch gesprochen: Vergangenheitsüberwätigung.
Wird bis heute immer wieder gern genommen.

Da ist es nur korrigierend folgerichtig, dass die neue Verfilmung des Romans „Nackt unter Wölfen“ heute im TV ausgestrahlt wird. Zu DDR – Zeiten waren Film und gleichnamiger Roman über das Schicksal eines Jungen im KZ
Buchenwald zu lästigen Pflichtterminen für damalige Schülerinnen und Schüler geworden. Mutwillig wurde die Geschichte zur ideologischen Existenzgrundlage des Staates missbraucht.

Warum der Sendetermin des Films nun ausgerechnet auf den Scherz – belasteten ersten April gelegt wurde, wird wohl immer ein Geheimnis der Programmdirektion des öffentlich – rechtlichen Fernsehsenders bleiben.

Diesmal ist die Neuverfilmung von jenem ideologischen Pathos befreit, welches der DDR – Verfilmung aus dem Jahr 1963 penetrant anhaftete.

Das kann interessant werden.
Oder, mit anderen Worten: Schonungslos realistisch.

Apropos realistisch:
Die Weimarer Tausend hatten vor 70 Jahren noch ausgesprochen zweifelhaftes Glück.
An anderen Orten mussten deren Einwohner die toten Häftlinge der KZs selbst bergen und bestatten.

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