Clash der Jubiläen

Am 31.10. ist bekan­ntlich Refor­ma­tion­stag. Einzig in den neuen Bun­deslän­dern Deutsch­lands sprich Neufün­fland wird er noch als Feiertag zele­bri­ert.
Was eigentlich ver­wun­dert – angesichts der sich so christlich gebieren­den Bun­desre­pub­lik. Und In zwei Jahren jährt sich die damals rev­o­lu­tionäre Aktion des The­olo­gen Mar­tin Luther zum 500. mal. Damals hatte er seine 95 The­sen zur Erneuerung der Kirche schlicht an die Tür der Stadtkirche zu Wit­ten­berg genagelt. Deren Trag­weite wirkt bis heute nach. Und das mehr als zurecht. Selbst Athe­is­ten zollen ihm bekan­ntlich Respekt.

Medial allerd­ings gerät jener Gedenk­tag immer stärker in die Konkur­renz des irisch -amerikanis­chen Hal­loween – Festes. Mit­tels aus­ge­höhlter und mit Kerzen beleuchteter Kür­bisse sollen die bösen Geis­ter aus dem All­tag ver­trieben wer­den. Das ist schön mys­tisch und prima zur Real­isierung einer immer­währen­den Motto – Party.

Freilich ist das eigentlich mehr ein Kinder­fest. Aber viel illus­terer als ein inhaltss­chw­erer Gedenk­tag. Passt also ein­deutig besser in die zeit­genös­sis­che Epoche unserer end­losspek­takel­nden Men­tal­ität. Und kurbelt mit kom­pat­i­blen Mer­chan­dis­ing – Ver­trieb die Einzel­han­dels – und Ver­anstal­tungs­branche an.

Was auch schon mal effek­tiver ist als Neuafla­gen inhalt­slastiger the­ol­o­gis­cher Schriften.

Anders gesagt: „Heutzu­tage liest doch sowieso keiner mehr“.
Weiter gedacht kön­nte das dann so heißen: „Vor­sicht! Lesen gefährdet die Dummheit.“
So lautet der Slo­gan einer Buch­han­dels­kette.

Fazit: Nach knapp fünfhun­dert Jahren sollte schon mal wieder ein zün­ftiger Reformer in Aktion treten.
Ver­suche gab es ja schon einige.