Da hängen sie nun…

in der Weimarer Viehauk­tion­shalle: Die über 400 Kunst­werke von über 200 Kün­stlern der „Bazon­nale 2010“.
Und so wan­delt man an den lan­gen Bah­nen der aus­gestell­ten Arbeiten ent­lang und ist sprach­los. Denn ein bizarrer Mix unter­schiedlich­ster Coleur springt einem ins Gesicht. Par­don, steht einem gegenüber. Schließlich wer­den auch Skulp­turen gezeigt. „Lust 2010“ ist die Ansage der radikal juryfreien Ausstel­lung.

Und so kommt es, wie es bei basis­demokratis­chen Präsen­ta­tio­nen dieser Art schon immer gekom­men ist: Eine Art Flach­ware – Gebraucht­waren­markt steht zur Dis­po­si­tion. Purer Trash. Als ob sich eine Selb­sthil­fe­gruppe ausge­tobt hätte. Dilet­tan­tis­che Kun­stergüsse bes­tim­men das Geschehen und überdecken die weni­gen sinnlich – konzen­tri­erten Arbeiten.

Logisch und fast beab­sichtigt, dass das die Kun­st­fach­leute sofort auf den Plan rief und sich in den Feuil­leton -Abteilun­gen der Medien enthemmte Kri­tik ergoß. Die sah freilich die Einzi­gar­tigkeit der Kunst abgew­ertet und erkan­nte eine neue post­mod­erne Beliebigkeit.

Doch das ist nichts Neues und hat schon immer polar­isiert. Neu sind allerd­ings auch nicht die Argu­mente der Ausstel­lungs­macher: Die sehen in Kura­toren-Jurys nichts weiter als „…Kun­st­gerichte, ver­schnar­chte Vere­ine, welche and den Kri­te­rien der Ver­gan­gen­heit kleben und Neues als Krise des Herge­brachten ver­ste­hen… Deswe­gen sor­gen diese Jurys auch nicht für Qual­ität, son­dern über­wiegend für Langeweile und verdeckt auch für Ihre Selb­ster­hal­tung…“

Na prima. Das wird schwierig für uns Besucher sprich Rezip­i­en­ten. Wer­den wir also schlicht ver­schaukelt oder ste­hen wir einer visuell – skulp­turalen Doku­men­ta­tion zum Lust­be­griff des 21. Jahrhun­derts gegenüber?
Let­zteres war wohl ein­er­seits die Absicht der Ausstel­lung. Dass nach dem Besuch der­sel­ben nicht allzu­viel im Kopf hän­gen bleibt, spricht ander­er­seits für die Kri­tik vieler erfahrener Kura­toren.

Und was sagt uns das? Ausstel­lun­gen dieser Art schaf­fen vor allem eines: Sie offen­baren die extreme Kluft zwis­chen Kun­stver­mit­tlern und Pub­likum. Denn das will weder vorge­führt noch belehrt wer­den.

Mit andern Worten: Alle wur­den visuell zün­ftig geblitzd­ingst.

„Kunst kommt nicht von Kön­nen – son­dern von Lust“ schreiben die Bazon­nale – Ausstel­lungs­macher im kom­pat­i­blen Falt­blatt. Doch manch­mal ist man schlicht lust­los.

„Kunst kommt nicht von Kön­nen – son­dern von nicht anders kön­nen“ schrieb einst der öster­re­ichis­che Schrift­steller Karl Kraus. Er scheint recht zu behal­ten.

Die Ausstel­lung ist noch bis zum 30. Juni geöffnet: Mon­tag bis Son­ntag von 10.00 Uhr bis 22.00 Uhr, Sam­stags bis 24.00 Uhr.
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