Von Claus Bach, 19. Mai 2010, 11:26 Uhr

in der Weimarer Viehauktionshalle: Die über 400 Kunstwerke von über 200 Künstlern der „Bazonnale 2010“.
Und so wandelt man an den langen Bahnen der ausgestellten Arbeiten entlang und ist sprachlos. Denn ein bizarrer Mix unterschiedlichster Coleur springt einem ins Gesicht. Pardon, steht einem gegenüber. Schließlich werden auch Skulpturen gezeigt. „Lust 2010“ ist die Ansage der radikal juryfreien Ausstellung.

Und so kommt es, wie es bei basisdemokratischen Präsentationen dieser Art schon immer gekommen ist: Eine Art Flachware – Gebrauchtwarenmarkt steht zur Disposition. Purer Trash. Als ob sich eine Selbsthilfegruppe ausgetobt hätte. Dilettantische Kunstergüsse bestimmen das Geschehen und überdecken die wenigen sinnlich – konzentrierten Arbeiten.

Logisch und fast beabsichtigt, dass das die Kunstfachleute sofort auf den Plan rief und sich in den Feuilleton -Abteilungen der Medien enthemmte Kritik ergoß. Die sah freilich die Einzigartigkeit der Kunst abgewertet und erkannte eine neue postmoderne Beliebigkeit.

Doch das ist nichts Neues und hat schon immer polarisiert. Neu sind allerdings auch nicht die Argumente der Ausstellungsmacher: Die sehen in Kuratoren-Jurys nichts weiter als „…Kunstgerichte, verschnarchte Vereine, welche and den Kriterien der Vergangenheit kleben und Neues als Krise des Hergebrachten verstehen… Deswegen sorgen diese Jurys auch nicht für Qualität, sondern überwiegend für Langeweile und verdeckt auch für Ihre Selbsterhaltung…“

Na prima. Das wird schwierig für uns Besucher sprich Rezipienten. Werden wir also schlicht verschaukelt oder stehen wir einer visuell – skulpturalen Dokumentation zum Lustbegriff des 21. Jahrhunderts gegenüber?
Letzteres war wohl einerseits die Absicht der Ausstellung. Dass nach dem Besuch derselben nicht allzuviel im Kopf hängen bleibt, spricht andererseits für die Kritik vieler erfahrener Kuratoren.

Und was sagt uns das? Ausstellungen dieser Art schaffen vor allem eines: Sie offenbaren die extreme Kluft zwischen Kunstvermittlern und Publikum. Denn das will weder vorgeführt noch belehrt werden.

Mit andern Worten: Alle wurden visuell zünftig geblitzdingst.

„Kunst kommt nicht von Können – sondern von Lust“ schreiben die Bazonnale – Ausstellungsmacher im kompatiblen Faltblatt. Doch manchmal ist man schlicht lustlos.

„Kunst kommt nicht von Können – sondern von nicht anders können“ schrieb einst der österreichische Schriftsteller Karl Kraus. Er scheint recht zu behalten.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Juni geöffnet: Montag bis Sonntag von 10.00 Uhr bis 22.00 Uhr, Samstags bis 24.00 Uhr.
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