Von Claus Bach, 18. Februar 2009, 11:26 Uhr

kennt nun eigentlich fast jeder. Und erst recht beim Betrachten von Fotos, von denen man glaubt, sie irgendwo schon einmal gesehen zu haben.
So ähnlich verhält es sich auch mit dem diesjährigen Siegerfoto des jährlich ausgelobten „World Press Photo Award 2009“: Das zeigt die schwarzweiss-Aufnahme eines amerikanischen Polizisten, der sich mit gezogener Pistole durch einen offensichtlich verrümpelten Raum tastet. Die Bildunterschrift lautet sachlich:

„Der Polizist Robert Cole durchsucht nach einer Zwangsräumung ein verlassenes Haus in Cleveland, Ohio. Cole muss sichergehen, ob die Bewohner das Haus tatsächlich verlassen haben und ob keine Waffen zurückgelassen wurden.“

In der Tat erinnert das Bild sofort an das Szenenfoto eines düsteren Psychothrillers, bei dem der Showdown unmittelbar bevorsteht. Die ungewöhnlich abstrahierende schwarzweiss- Darstellung befördert diese Situation noch und lässt entfernt an einige Klassiker Alfred Hitchcocks oder David Fincher denken. Zudem sind aktuelle Pressefotos heute generell farbig und so verstört dieses umso mehr. Hier wurde ein bizarrer Moment auf den Punkt gebracht:

Realität und Fiktion scheinen plötzlich eins zu sein, und das durch eine simple Momentaufnahme. Das ist eben kein Filmstill, sondern ein ganz real-brutaler Moment, der auch Fragen nach den nicht sichtbaren Opfern stellt.

Die Begründung der Entscheidung der Jury greift freilich nicht soweit, sondern bleibt bei den journalistischen Tatsachen: „Die Stärke des Bildes liegt in den Gegensätzen“, heißt es schlicht. Doch allein das ist schon ein Fortschritt – zumal sonst immer Bilder aktueller Kriegsschauplätze ausschließliche Anwärter dieses Pressefoto-Preises waren, einem Abonnement gleich.
Fotograf Anthony Suau hat die Aufnahme im Herbst 2008 für das „Time Magazin“ gemacht und damit ein außerordentlich treffendes Sinnbild der Weltwirtschaftskrise gefunden.
Es wird im Rahmen der turnusmäßig stattfindenden Wanderausstellung des Fotojournalisten-Preises mit Sicherheit auch wieder in der Goethe-Verkaufsgalerie in Jena zu sehen sein.

Sie können jederzeit einen eigenen Kommentar mit Hilfe des Formulars am Seitenende hinzufügen.

Bisher keine Kommentare zum Artikel

  1. Bisher keine Kommentare

Kommentiere den Artikel

SPAM-Schutz
Wenn Du kein SPAM-Bot bist,
fülle bitte dieses Feld aus. *
Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.



Kommentare zu diesem Artikel über RSS 2.0-Feed verfolgen