Von Claus Bach, 29. August 2012, 10:54 Uhr

Zwei Jahre Straflager brummte ein Moskauer Gericht der Punkband „Pussy Riot“ für deren schrilles Anti-Putin – Gebet in der örtlichen „Christi-Erlöser-Kathedrale“ auf.

Die drei Akteurinnen nahmen das Urteil mit stoischer Gelassenheit auf. Als ob sie in ihrer transparenten Plastikzelle nichts anderes erwartet hätten. Jetzt wird zünftig gemärtyrert.

So brach denn auch kurz darauf der Proteststurm los: Ein russischer Schach-Promi und andere unbekannte Demonstranten ließen sich medienträchtig verhaften. Kompatibel mit weltweiten Solidaritätsaktionen vieler Künstlerkolleginnen und Kollegen. Flankiert von den medialen Einlassungen vieler Politiker der westlichen Hemisphäre.

Von Entrüstung, Unverhältnismäßigkeit und ähnlichem war überall die Rede. Russland sei also doch eine Diktatur. Als ob das vorher niemand gewusst hätte. Mit einem ehemaligen KGB-Mann an der Spitze. Dessen Konterfei nun im Internet zur visuellen Vorlage für schrillste Strickmasken-Collagen mutiert.

Aber es macht ja auch Spaß, vom sicheren freien Westen aus „Free Pussy Riot“ zu skandieren und deren Spontanprotest – Aktionen gleich mal in deutschen Gotteshäusern zu kopieren. Oder ihn für diverse Laudatios kompatibler Ausstellungen zu verhackstücken.

Wo sich doch auch der Name so schön schweinisch ausspricht. Ins deutsche übersetzt klingt er übrigens noch versauter: „Muschi-Krawall“ heißt das dann.

Vielleicht ließ sie sich die Band auch deshalb ihren Namen patentieren. Um sich gegen Missbrauch zu schützen, lautet die mediale Begründung.

Dabei könnte man auch auf ganz andere handfeste Gründe kommen: Zum Beispiel eine kluge vorausschauende Kommerzialisierung der russischen Protestkultur. Die würde zwar mitnichten die Gesellschaft verändern, dafür aber Reputation, Arbeits -und Lebensverhältnisse einzelner Protestkünstler entscheidend verbessern.

Vielleicht weht daher der Wind: Eine Konzerttour, medienträchtige Auftritte zu internationalen Kunstmessen wären zukünftig drin. Garniert mit einer Menschenrechts-Preisverleihung in Weimar. Das kommt immer gut.

Verdient hätten es einige Protest-Akteure sogar. Denn viele haben mehr als nur ihre Freiheit riskiert. Selbstverständlich ist das zynisch und obendrein bösartig spekulativ.

Weniger spekulativ hingegen ist die Feigheit des Westens im Umgang mit der Leitfigur der Plattform „Wikileaks“, Julien Assange. Denn das tut richtig weh und ist ein mediales Minenfeld. Nix da mit Solidarität.

Beim Umgang mit eingeforderter Informationsfreihiet im Internet ist Schluss mit lustig. Und zwar in Echtzeit.

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