Von Claus Bach, 3. März 2010, 11:26 Uhr

…der thüringischen Kleinstadt an der Ilm treibt in diesen Tagen erneut ganz besondere Stilblüten: Gemeint ist freilich die Endlos-Diskussion um den Standort des zukünftigen Bauhaus-Museums in Weimar. Es will und will nicht klappen.

Dabei läuft die Zeit mit jedem Tag davon. Denn bekanntlich stellt der Bund die beträchtliche Summe von 25 Millionen Euro für den Neubau des Museums zur Verfügung. Die haben allerdings ein temporäres Verfallsdatum.

Und so nimmt es um so mehr Wunder, dass bisher keine Einigung erzielt werden konnte. Da reiben sich die Direktoren der anderen Bauhaus -Standorte in Dessau und Berlin verwundert die Augen über derartige Entschiedungsferne. Eigentlich zum kichern, wenn es nicht so ernst wäre.

So festigt Weimar seinen Ruf als Hort konzeptioneller Schildbürger -Mentalität.
Und gerade die jüngste Tradition kann sich sehen lassen: Von der dreijährigen Schließung des Stadtmuseums bis hin zum Verkauf des Hauses der Frau von Stein an den Königlichen Kunstzirkel Barcelona. Selbst da sind keinerlei Aktivitäten spürbar. Nirgends eine Salator Dali -Kopie in Sicht.

Doch vielleicht ist das schon Teil des Konzepts. Gelebter Surrealismus, welcher an ein Werk des großen spanischen Regisseurs Luis Buñuel erinnert: In seinem Film „Der diskrete Charme der Bourgeosie“ versucht eine gutbürgerliche Familie vergeblich, sich zum Abendessen zu treffen. Bizarre Zwischenfälle vereiteln jedes mal die Angelegenheit: Einmal wird der Termin schlicht vergessen, ein andermal ist die Familie unfreiwillig Akteur eines Theaterstücks. Dann stirbt plötzlich der Restaurantbesitzer, und schließlich kommen Terroristen dazwischen. Am Ende laufen die Akteure wortlos eine Strasse entlang und blicken in die Ferne.

So kann man auch das Nichts inszenieren. Doch Weimar lebt die Angelegenheit. Wir sind nicht im Film. Aber offensichtlich Teil eines Projekts. Wir wissen es nur noch nicht. Nächster Termin für die bürgernahe Standort-Diskussion ist übermorgen, der fünfte März, 20.00 Uhr. Ort: Das Reithaus. Prima Material für Schlazeilen im überregionalen Feuilleton.

Diesmal ganz ohne Streitereien um Authentizität oder Echtheit eines Werks. Das muss erstmal jemand nach machen.
Denn alle Akteuere sind realer, als man sich vorzustellen wagt.

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