Von Claus Bach, 30. Juni 2010, 11:26 Uhr

Im örtlichen Stadtmuseum „Simeonstift“ ist ein ganz besonderes Fundobjekt ausgestellt. Ein versandeter Fußball. „Fundort: Trier, Domfreihof, etwa 406 nach Christus“ ist darunter auf dem kleinen Sockel zu lesen. Nun steht er in einer Vitrine neben alltäglichen Gebrauchsgegenständen aus der Römerzeit.

Denn bekanntermaßen befand sich in Trier eine größere Siedlung. Allerdings fehlen hier jegliche Beschreibungen oder Verweise auf historische Zusammenhänge.

Und das sorgt freilich für Irritation, die neugierig macht: So kann sich die Museumsdirektion über ein prima Feedback freuen. Denn regelmäßig erhält sie Anfragen bezüglich des eigentümlichen Objekts. Und dann folgt immer die gleiche Antwort:

Offensichtlich wurde auch schon im Altertum zünftig gebolzt. Und auf dem Domfreihof war damals noch gut Platz.

Kurzum, die Sache ist selbstverständlich ein Fake. In Wahrheit war der Fundball Bestandteil der Themenausstellung „Ballkünstler“ an der hiesigen Europäischen Kunstakademie zur Fußball – Weltmeisterschaft 2006.

Die Arbeit fand den Weg ins Museum, weil sie ein markantes Phänomen der Partnerstadt Trier ironisch reflektiert:

Denn jede noch so kleine Baugrube wird in kurzer Zeit zum Albtraum für deren Herren: Nämlich dann, wenn auch nur die Scherbe eines Tellers oder einer Vase gefunden wird. Sofort ist Baustopp und die Archäologen rücken an. Das Zeug könnte ja aus der Römerzeit sein. Erstmal wird nun jedes Krümelchen Erde durchgesiebt. Was die Bauarbeiten mindestens um einige Wochen oder Monate verzögert.

So mischt sich die Antike permanent ins zeitgenössische Geschehen ein. Sie nimmt Rache und wird zum Fluch, der über der Stadt liegt.

Aber vielleicht hilft ein Gegenmittel: Wie wärs mit einer „Antiken-Ausgrabungs-Bauzeitverlängerungsversicherung“? Vielleicht ist das eine visionäre, wenngleich freilich nicht ganz billige Geschäftsidee gegen das Übel.

2007_10FundballSimeonstift

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