Der kleinste gemeinsame Nenner

Auch die Weimarer Kün­st­lerin Franziska Becher hat sich auf Ein­ladung der Klas­sik­s­tiftung Weimar mit dem Leben des Archäolo­gen Johann Joachim Winck­el­mann beschäftigt. Und die Sache dabei auf den kle­in­sten gemein­samen sym­bol­is­chen Nen­ner unserer Exis­tenz gebracht. Wen­ngle­ich auch nicht den allerbesten. Denn der nennt sich schlicht Gier.
Bis heute bes­timmt er einen Teil unseres Lebens. Dass das auch zu Winck­el­manns Lebzeiten so war, dek­lin­iert Becher nun auf sim­pel­ste Art und Weise durch.
Bekan­ntlich endete das Leben des berühmten Archäolo­gen gewalt­sam: Sein let­zter Bekan­nter erstach ihn aus keinem anderen Grund als dem der Habgier. Und den soll er nach der Tat als Motiv angegeben haben. Er kon­nte nicht anders, als eben jenem Antrieb zu fol­gen. Winck­el­mann selbst sei Schuld, weil er eben jene Gier in ihm geweckt habe.

Soweit der Teil der His­to­rie. Dass es meist immer um nichts anderes als den Besitz einer bes­timmten große Menge geprägter Gold­münzen ging, ist freilich mehr als banale Erken­nt­nis. Und die müsste eigentlich groß genug gewe­sen sein, um daraus zu ler­nen. Doch das Gegen­teil ist der Fall.

Um das zu verdeut­lichen, verän­derte Becher das Abbild einer antiken Gold­münze mit eingeprägtem Herrscher­pro­fil zum Sym­bol eines Bit­coins,
der zeit­genös­sis­chen virtuellen Währung. Zu sehen ist nun der Großbuch­stabe B, welcher von zwei senkrechten Strich über­lagert wird und golden schim­mert. „Opo­lus“ nennt sie Ihre Arbeit und schreibt dazu:
„Opo­lus besitzt die Größe einer Ein -Cent -Münze.
Der Text auf der Münze ist mit Buch­staben des phönizis­chen Alpha­bets geschrieben, einer Schrift, deren Ableitun­gen fast allen heute gebräuch­lichen Schriften der Welt zugrunde liegt und so viel bedeutet wie »Die Natur des Men­schen ist kon­stant und durch Gier und Macht­streben geprägt« (Thuky­dides) und sym­bol­isch somit Antike und Gegen­wart verbindet.“

Da spricht schon jene alte Prä­gung unan­genehmen Klar­text. Das mag alles sehr platt sein. Doch mehr noch: Genau jene Wertvorstel­lung bes­timmt die Gegen­sät­zlichkeit der men­schlichen Spezies. Nicht mehr und nicht weniger.
Im Grunde ist das aus­ge­sprochen lächer­lich und ver­leitet genau deshalb zu unge­mein komö­di­antis­chen Auswüch­sen, in denen stets ein Stück ler­nende Erken­nt­nis auf­blitzt.
Siehe das berühmte Zitat eines Hol­ly­wood-Films:
„Für ihn ist Geld nur bedruck­tes Papier…“.

Wenn es nur so ein­fach wäre.

Die Ausstel­lung „Winck­el­mann. Mod­erne. Antike“ ist noch bis zum
02. Juli 2017 im Neuen Museum Weimar zu sehen.