Von Claus Bach, 28. Juni 2017, 11:06 Uhr

Auch die Weimarer Künstlerin Franziska Becher hat sich auf Einladung der Klassikstiftung Weimar mit dem Leben des Archäologen Johann Joachim Winckelmann beschäftigt. Und die Sache dabei auf den kleinsten gemeinsamen symbolischen Nenner unserer Existenz gebracht. Wenngleich auch nicht den allerbesten. Denn der nennt sich schlicht Gier.
Bis heute bestimmt er einen Teil unseres Lebens. Dass das auch zu Winckelmanns Lebzeiten so war, dekliniert Becher nun auf simpelste Art und Weise durch.
Bekanntlich endete das Leben des berühmten Archäologen gewaltsam: Sein letzter Bekannter erstach ihn aus keinem anderen Grund als dem der Habgier. Und den soll er nach der Tat als Motiv angegeben haben. Er konnte nicht anders, als eben jenem Antrieb zu folgen. Winckelmann selbst sei Schuld, weil er eben jene Gier in ihm geweckt habe.

Soweit der Teil der Historie. Dass es meist immer um nichts anderes als den Besitz einer bestimmten große Menge geprägter Goldmünzen ging, ist freilich mehr als banale Erkenntnis. Und die müsste eigentlich groß genug gewesen sein, um daraus zu lernen. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Um das zu verdeutlichen, veränderte Becher das Abbild einer antiken Goldmünze mit eingeprägtem Herrscherprofil zum Symbol eines Bitcoins,
der zeitgenössischen virtuellen Währung. Zu sehen ist nun der Großbuchstabe B, welcher von zwei senkrechten Strich überlagert wird und golden schimmert. „Opolus“ nennt sie Ihre Arbeit und schreibt dazu:
„Opolus besitzt die Größe einer Ein -Cent -Münze.
Der Text auf der Münze ist mit Buchstaben des phönizischen Alphabets geschrieben, einer Schrift, deren Ableitungen fast allen heute gebräuchlichen Schriften der Welt zugrunde liegt und so viel bedeutet wie »Die Natur des Menschen ist konstant und durch Gier und Machtstreben geprägt« (Thukydides) und symbolisch somit Antike und Gegenwart verbindet.“

Da spricht schon jene alte Prägung unangenehmen Klartext. Das mag alles sehr platt sein. Doch mehr noch: Genau jene Wertvorstellung bestimmt die Gegensätzlichkeit der menschlichen Spezies. Nicht mehr und nicht weniger.
Im Grunde ist das ausgesprochen lächerlich und verleitet genau deshalb zu ungemein komödiantischen Auswüchsen, in denen stets ein Stück lernende Erkenntnis aufblitzt.
Siehe das berühmte Zitat eines Hollywood-Films:
„Für ihn ist Geld nur bedrucktes Papier…“.

Wenn es nur so einfach wäre.

Die Ausstellung „Winckelmann. Moderne. Antike“ ist noch bis zum
02. Juli 2017 im Neuen Museum Weimar zu sehen.

 

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