Von Claus Bach, 21. November 2007, 11:26 Uhr

in Weimar ist schlicht zu dem Inbegriff für alle Neubauhasser geworden. Wie eine Trutzburg der jüngeren Vergangenheit überragt das Studentenwohnheim die ansonsten so beschaulich anzusehende Kleinstadt – bis heute umstritten, doch praktisch für die Benutzer. Eine visuelle und architektonische Provokation, ein bauliches Relikt aus vergangenen DDR-Zeiten, das wie kein anderes zum markanten Gegenpol von Bastille und Stadtschloss wurde und so das Erscheinungsbild der Stadt prägt. Und auch Beleg dafür, wie die enthemmte Architektur-Moderne der sechziger Jahre auch und gerade in Weimar wütete.

Glücklicherweise fehlte im damaligen Osten Deutschlands schlicht das Geld, um Schillerstraße und historischen Markt so perfekt zu verbeton-platten wie im Westen.

Doch nun gibt es den langen Jacob – wie seinerzeit Goethe-Gartenhaus und Haus am Horn – als zeitgenössischen Bastelbogen aus Karton zum Selberfalten und Kleben. Eine feine Sache. Bis jetzt allerdings nur zu erwerben in den Räumen der Ausstellung „Anita Bach: Bauen und Lehren an der Hochschule für Architektur und Bauwesen“.

Anlaß ist der achtzigste Geburtstag der einstmals ersten Architekturprofessorin der DDR, die auch heute noch ausserordentlich vital ist und sich die persönliche Anreise zur Eröffnung inclusive Statement nicht nehmen ließ. Zu sehen sind ihre markantesten Projekte, aussagekräftig dokumentiert. Dazu zählt auch die hiesige Mensa am Park, welche in diesem Herbst 25 Jahre alt wird und deren Ruf bis heute nicht der schlechteste Ist.

Und selber bauen kann man in dieser Ausstellung auch: Dank der hippen Retro-Welle ist der einstmals verhaßte kleine Kunststoff-Modellbausatz des DDR-Wohnungsbautyps „WBS 70“ angesagtester Kult.
Mittels eines – allerdings DDR-untypischen – großen Vorrates an Plastikplatten und allem nötigem Zubehör kann man vor Ort – inspiriert von umgebenen echten Architekturentwürfen und Projekten – seine eigenen, wie auch immer gearteten postmodernen oder futuristischen Gebäude errichten.

Zusammengetragen und konzipiert wurde die Ausstellung von Christiane Wolf, Kuratorin des Archivs der Moderne der Bauhaus-Universität Weimar. Die Ausstellung ist Montag bis Samstag von 11. bis 17.00 Uhr geöffnet und leider nur noch bis zum 28. November zu sehen.
Sie sollte unbedingt verlängert werden.

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