Von Claus Bach, 13. Oktober 2014, 11:05 Uhr

„Helmut Kohl – die geheimen Gesprächsprotokolle“. So steht es auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“.
Neben der Großaufnahme des Altbundeskanzlers tauchen sechs Köpfe seiner damaligen Weggefährten aus dem Dunkel der Vergangenheit auf.
Die hatte Kohl vor über zehn Jahren mit markigen Sprüchen abgekanzelt.
Dem damaligen Nachfeld der CDU – Spendenaffäre geschuldet. Freilich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, entsprangen sie dem zeitverzögerten Groll eines alten Mannes.
Dazu sollte man wissen, dass er Journalisten ganz besonders hasste. Im speziellen die des „Spiegel“.
Besonders gern rüffelte er sie vor laufenden Kameras.
„Denken Sie erstmal nach, bevor Sie was schreiben“ war einer seiner bekanntesten Ausbrüche.
Vielleicht erklärt das die Entscheidung der Redaktion, besagte Tonbandprotokolle nun als illustre Titelstory aufzumachen. Eine Art späte Rache am machtbesessenen Kanzler der Einheit. Jetzt wird eben auch zurückgetreten. Bis dato blieb so was ja eher den Kollegen der Regenbogenpresse vorbehalten.
Doch offensichtlich haben sich die Zeiten geändert.
Vor journalistischer Häme macht heute auch ein seriöses Nachrichtenmagazin nicht mehr halt.
Noch vor einigen Jahren wäre dieses Kohl – Bashing souverän im Mittelteil des Hefts abgedruckt worden. Dabei gäbe es weitaus brennendere Titel – Themen. Aber selbst bei denen steht eher das schablonierte Spektakel im Vordergrund. Siehe Spiegel – Titel „Stoppt Putin jetzt!“. Das wurde nach dem Abschuss des Passagierflugzeugs über der Ostukraine im Juli diesen Jahres enthemmt getextet. Frei von störender Recherche.
Und was sagt uns das?
Längst ist auch der „Spiegel“ im Klatsch versunken. Mit Tendenz zur Realsatire.
Und es ist noch Luft nach unten.
Zu später Stunde sollte Helmut Kohl recht behalten.

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