Von Claus Bach, 12. April 2016, 15:49 Uhr

…für Bürger aus den alten Bundesländern waren ein gemeiner Allgemeinbildungstest in einschlägigen Milieus der 1990iger Jahre.
Als trotzige Reaktion auf die Besserwisser – Mentalität der neuen Brüder und Schwestern aus dem Westen.
Mutwillig hatten diese Fragen ausschließlich sowjetische Weltraumfahrt – Erfolge der 1960iger Jahre zum Inhalt.

Da konnte der ordinäre Westler freilich nicht lange mithalten und war spätestens nach Frage drei aus dem Rennen.
Zum albernen Triumph des Ostlers. Heute ist das Ganze zu Recht aus der Mode gekommen.

Doch es lohnt, diese Fragen aus der Versenkung zu holen. Zum einen, weil sich besagtes Allgemeinbildungsdefizit flächendeckend in alle Himmelsrichtigen ausgebreitet hat.
Zum anderen, weil ein gewisser Juri Gagarin vor rund 55 Jahren als erster Mensch im Weltall die Erde umkreiste.
Das war am 12. April 1961.
Gagarin war Antwort auf Frage drei des Tests, die nach dem ersten Menschen im Weltall.

Selbstverständlich verhackstückte die damalige UDSSR ihren Weltraumpiloten propagandistisch und belohnte ihn entsprechend. In Form zahlreicher materieller Zuwendungen.

Und jener 12. April wurde zum „Tag des Kosmonauten“ erklärt.

Ein Foto aus jener Zeit geriet damals zur visuellen Ost – Ikone:
Es zeigt die winkenden Weltraumpiloten Juri Gagarin und Valentina Tereschkowa in einer offenen Limousine inmitten jubelnder DDR – Bürger auf der Karl Marx – Alle in Berlin.
Valentina Tereschkowa war die erste Frau im Weltall – was Antwort auf Frage vier des Tests gewesen wäre.

Die fünfte Frage war die nach dem ersten unbemannten Mondfahrzeug.
Das hieß „Lunochod“ und stammte auch aus UDSSR – Produktion.
Im Frühjahr 1969 kurvte es ferngesteuert auf dem Erdtrabanten herum.

Ein Jahr zuvor Jahr starb Juri Gagarin bei einem Testflug im Alter von nur 34 Jahren.
Valentina Tereschkowa lebt heute mit ihrer Familie als zweifache Großmutter in Moskau.
Am 12. Juni 2013 verlieh ihr Präsident Wladimir Putin den Alexander-Newski-Orden.

Die Fragen eins und zwei hatten übrigens den ersten Weltraumsatelliten Namens „Sputnik“ und das erste Tier im Orbit, die russische Hündin „Laika“, zum Inhalt.

Rückblickend gesehen waren die russischen Weltraumerfolge der 1960iger Jahre Höhepunkt internationalen Ansehens des damaligen Ostblocks unter russischer Dominanz.
Begründet durch technologische und physische menschliche Höchstleistungen. Er sollte nie wiederkehren.

Verbliebene Zeitzeigen sind heute zahlreiche Juri – Gagarin – Denkmäler und Strassen im Osten Deutschlands.
Späte Ironie der Geschichte:
Am 07. April 2011erklärte auch die Generalversammlung der UN jenen 12. April zum Internationalen „Tag der bemannten Raumfahrt“.

 

 

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