Von Claus Bach, 6. August 2008, 11:26 Uhr

…kommt bestimmt: Eine barock kostümierte betuchte Gesellschaft vergnügt sich im herrschaftlichen Garten, umringt von säuberlich zurecht gestutzten Büschen. Sanft plätschert die Wasserfontäne eines weißen Springbrunnen vor sich hin, bunte Picknick-Zelte sind auch aufgestellt. Die freilich attraktiven jungen Damen und Herren sind bester Laune und Geben sich in üppiger garderobe entspannter Konversation hin. Kurzum: Eine sommerlich- märchenhafte Szene, die offensichtlich ein Gemälde aus dem frühen 18. Jahrhundert lebendig werden läßt. Sogar ein Einhorn reckt seinen Kopf ins Bild, liebliche Violinenmusik rundet alles ab. „Chevrolet tea party“ heißt der Ganze dann.

Doch wie aus dem Nichts fällt plötzlich ein dunkles, wuchtiges Familienwagen-Ungetüm vom Himmlel, landet mittinmitten der Idylle und beginnt sogleich, alles brutal niederzuwalzen – pardon, natürlich zu fahren. Der Sound wechselt zur ordinären Rockmusik, Panik bricht aus, ein junger Herr versucht noch eben, das böse Etwas In gewohnter Manier mit der Pistole niederzustrecken, doch vergebens.
Denn – die Zeitverschiebung läßt grüßen – just in diesem Moment wird die Szene zur Miniatur- Puppenspiellandschaft inmitten des Gartens eines zeitgenössischen Einfamilienhauses- und man sieht, wie ein kleiner Junge mit dem Modell eben jenes Familien-Vans mit aller Macht die kleinen Barockfiguren kaputt haut, eine nach der anderen. Und die ganz realen zeitgenössischen Eltern scheinen sich schon an die etwas aggressiven Zerstörungsspiele Ihrer lieben Kleinen gewöhnt zu haben – die Mama übt sich in Lektüre Und der Papa bereitet eben jenen Familienwagen zur sommerlichen Ausfahrt vor…Fragt sich nur, welche traumhaften Vorzüge das aktuelle Modell des Familien-Vans namens „Captiva“ der amerikanischen Firma Chevrolet nun für eine Familie wirklich haben soll: Macht es die Kinder so richtig schön aggressiv und zerstörerisch, daß es die Eltern gar nicht mehr wahrnehmen und sorglose Alltags- Apathie verfallen sind? Oder soll der 30 Sekunden-TV-Werbeclip ganz einfach den marktwirtschaftlichen Durchmarsch eben jener Firma im Segment der hart Umkämpften Familienwagen vermitteln? Das bleibt freilich offen. Lange schon war eine derart bizarre und ausserordentlich brutale Autoreklame nicht mehr zu sehen. Eine werbestrategische Stilblüte der allerfeinsten Art, fernab jeder psychologischen familiären – correctness.

Willkommen, Zukunft! Das kann ja heiter werden.

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