Die nächste Autowerbung…

…kommt bes­timmt: Eine barock kostümierte betuchte Gesellschaft vergnügt sich im herrschaftlichen Garten, umringt von säu­ber­lich zurecht ges­tutzten Büschen. Sanft plätschert die Wasser­fontäne eines weißen Spring­brun­nen vor sich hin, bunte Pick­nick-Zelte sind auch aufgestellt. Die freilich attrak­tiven jun­gen Damen und Her­ren sind bester Laune und Geben sich in üppiger garder­obe entspan­nter Kon­ver­sa­tion hin. Kurzum: Eine som­mer­lich- märchen­hafte Szene, die offen­sichtlich ein Gemälde aus dem frühen 18. Jahrhun­dert lebendig wer­den läßt. Sogar ein Ein­horn reckt seinen Kopf ins Bild, liebliche Vio­li­nen­musik run­det alles ab. »Chevro­let tea party« heißt der Ganze dann.

Doch wie aus dem Nichts fällt plöt­zlich ein dun­kles, wuchtiges Fam­i­lien­wa­gen-Ungetüm vom Himm­lel, lan­det mit­tin­mit­ten der Idylle und beginnt sogle­ich, alles bru­tal niederzuwalzen – par­don, natür­lich zu fahren. Der Sound wech­selt zur ordinären Rock­musik, Panik bricht aus, ein junger Herr ver­sucht noch eben, das böse Etwas In gewohn­ter Manier mit der Pis­tole niederzus­trecken, doch vergebens.
Denn – die Zeitver­schiebung läßt grüßen – just in diesem Moment wird die Szene zur Miniatur- Pup­pen­spiel­land­schaft inmit­ten des Gartens eines zeit­genös­sis­chen Ein­fam­i­lien­hauses- und man sieht, wie ein kleiner Junge mit dem Mod­ell eben jenes Fam­i­lien-Vans mit aller Macht die kleinen Barock­fig­uren kaputt haut, eine nach der anderen. Und die ganz realen zeit­genös­sis­chen Eltern scheinen sich schon an die etwas aggres­siven Zer­störungsspiele Ihrer lieben Kleinen gewöhnt zu haben – die Mama übt sich in Lek­türe Und der Papa bere­itet eben jenen Fam­i­lien­wa­gen zur som­mer­lichen Aus­fahrt vor…Fragt sich nur, welche traumhaften Vorzüge das aktuelle Mod­ell des Fam­i­lien-Vans namens „Cap­tiva« der amerikanis­chen Firma Chevro­let nun für eine Fam­i­lie wirk­lich haben soll: Macht es die Kinder so richtig schön aggres­siv und zer­störerisch, daß es die Eltern gar nicht mehr wahrnehmen und sor­glose All­t­ags- Apathie ver­fallen sind? Oder soll der 30 Sekun­den-TV-Wer­be­clip ganz ein­fach den mark­twirtschaftlichen Durch­marsch eben jener Firma im Seg­ment der hart Umkämpften Fam­i­lien­wa­gen ver­mit­teln? Das bleibt freilich offen. Lange schon war eine der­art bizarre und ausseror­dentlich bru­tale Autoreklame nicht mehr zu sehen. Eine werbe­strate­gis­che Stil­blüte der aller­fe­in­sten Art, fernab jeder psy­chol­o­gis­chen famil­iären – cor­rect­ness.

Willkom­men, Zukunft! Das kann ja heiter wer­den.