Von Claus Bach, 24. Oktober 2012, 11:26 Uhr

Ausnahmsweise ist das mal kein ominöses Gangsterquartett. Sondern die süffisante Bezeichnung für vier Chefkünstler der ehemaligen DDR. Genauer gesagt vier Malerfürsten. Alle waren perfekte Vetreter der figürlichen Tafelbildmalerei und außerordentlich versiert in der Darstellung des einfachen Menschen. Selbstverständlich kritisch verschlüsselt, doch stets ideologiekonform.

Ihre internationalen Weihen erhielten sie bereits zur VI. documenta im Jahre 1977. Was von den damaligen DDR – Chefideologen entsprechend gewertet wurde: Als Bestätigung der wegweisenden Malerei des ersten sozialistischen Arbeiter – und Bauernstaates deutscher Nation und so weiter.

Sechs Jahre später waren die Vier dann endgültig im westlichen Kunstbetrieb angekommen. Das prominente Kölner Sammler – Ehepaar Peter und Irene Ludwig verlieh ihnen die kompatiblen Weihen. Durch spektakuläre Ankäufe.

Ein ordinärer Kunstmarkt – Klassiker: Denn figürliche Malerei war im Westen 1983 eine Marktlücke und Gegenstück zur sonst gängigen abstrakten Kunst. „Da kann man endlich was erkennen“, titelte auch der damalige Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Und ließ sich gleich mal von einem der Vier porträtieren.

Von nun an war DDR-Kunst ausschließlich durch figürliche Malerei terminiert. Offensichtlich existierte nichts anderes drüben in der Zone.

Und sämtliche Kunstmedien kolportierten diesen Zustand auch noch. Freilich Pech für alle, die anders arbeiteten. Die gab es medial überhaupt nicht. Weder in lokalen Ausstellungskalendern noch Rezensionen.

Dass es mitnichten anders war, zeigt jetzt eine Ausstellung im Neuen Museum Weimar:
„Abschied von Ikarus. Bildwelten in der DDR – neu gesehen.“ heißt sie.

Und diese Ansage ist ganz ernst gemeint und löst ihren Anspruch ein. Nun sind die Ikonen der DDR-Kunst unmittelbar neben fast unbekannten radikal-widersprüchlichen Arbeiten zu sehen. Die so gar nicht ins realsozialistische Alltagsbild passten und selbstverständlich ignoriert wurden.

Erstmals stehen Performances, Installationen und Fotografien ehemaligen Kunstplatzhirschen gegenüber. Ein Parcours der ostdeutschen Kunstgeschichte, den es so noch nicht gegeben hat.

Und was das wichtigste ist: Die Präsentation behandelt alle Künstler mit Würde. Ganz anders als an den LKW – Planen im Jahre 1999.

Einziger hausgemachter Makel: Die knappen Öffnungszeiten gehen gar nicht. Die sollten infolge großen Andrangs schleunigst geändert werden.

Bis jetzt liegen sie noch wie folgt: Dienstag bis Freitag von 11.00 bis 16.00 Uhr.
Neuerdings nun auch Samstag und Sonntag bis 18.00 Uhr. Es geht doch.

Die Ausstellung im „Neuen Museum“ Weimar dauert noch bis zum 03.Februar 2013.

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