Von Claus Bach, 17. Juni 2009, 11:26 Uhr

…da muss noch Eisen gepflanzt werden!“, kommentierte im Jahre 1998 ein Weimarer Kulturbürger einen Artikel in der „Thüringer Allgemeinen“. Der berichtete über den Entwurf der Installation farbiger Stelen auf dem Weimarer Rollplatz des Konzeptkünstlers Daniel Buren, welcher letztlich per Bürgerentscheid gekippt wurde.

Und siehe, so wurde denn aus dem Rollplatz ein ordinärer Blechlawinen sprich Auto -Stellplatz.

1999 bekam dann auch Lichtkünstler Mischa Kuball sein Fett respektive Verbot weg: Seine Lichtkegel -Installation „Sprach-Platz-Sprache“ auf dem Innenhof des ehemaligen Weimarer Gauforums wurde gleich mal von der damaligen Direktorin des Thüringer Landesverwaltungsamts untersagt. Das ging dann schon einfacher, weil besagtes Amt sowieso Besitzer eben jenes Hofs war.

Begründung: Das Projekt sei „zu vordergründig und nicht reflektierend genug“. Aha. Ende der Durchsage.

Doch was sollen eigentlich diese alten aufgewärmten Kulturskandal -Kammellen? Simple Antwort: Sie sind ein immer währendes Phänomen, welches nicht nur vor Ort anzutreffen ist und zeigen, wie brüchig die grundgesetzlich verankerte „Freiheit der Kunst“ ist.

Diese und andere Fälle administrativen Eingreifens seitens Politik und Beamtentum in die Kunst sind nun minutiös in der aktuellen Ausstellung „KUNSTFEHLER-FEHLERKUNST“ der ACC-Galerie Weimar dokumentiert.
Und so stolpert man denn von vergangenen bis zu heutigen kulturpolitischen Skandalen und entdeckt eine ganz eigene Art historischen Verbots-Reigens:

Der spannt sich von Heidelberg über Weimar, Venedig und Erfurt.

Doch auch die Künstler kommen zu Wort respektive Werk und machen das eigene Scheitern ausgesprochen durchtrieben und erfrischend zum Thema: Etwa dann, wenn David Mannstein das durch den Erfurter Stadtrat herauszensierte Wort „KOMM“ seines kürzlich auf dem Dach des Hotels „Erfurter Hof“ realisierten Leuchtbuchstabenspruchs „Willy Brandt ans Fenster“ gegenüberstellt.
Und mit dem amerikanischen Künstler Peter Santino kann man vor Ort auch ganz direkt über die eigenen persönlichen Niederlagen und Sorgen plaudern.

Und was sagt uns das?
Es war schon immer nicht ganz leicht, das andere verstehen zu wollen. Denn das ist lästig, anstrengend und selbstverständlich unbequemer als zeitgenössische Preisverleihungen und flockige Jubiläen.

Die Ausstellung ist bis zum 09. August täglich von 13.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.
Sie sei unbedingt allen empfohlen.

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