Von Claus Bach, 22. August 2007, 11:26 Uhr

Als Ronald Pofalla am letzten Wochenende auf der CDU-Dialogtour auch vor dem Goethehaus am Frauenplan in Weimar Station machte und das Reden eher den bekannten lokalen Parteigrößen vor übersichtlicher Menschenmenge überließ, brachte er neben den regulären Werbedrucksachen auch eine ganz besondere mit: Ein unscheinbares Portfolio, bestehend aus heraustrennbaren schwarzweiss-Postkarten, wirbt unter dem Titel  „Farbe bekennen. Mitglied werden“ mit Konterfeis aus der Vergangenheit achtzehn führender Parteigrößen, und die haben es in sich:
Den Anfang macht Dr. Angela Merkel mit einem Foto aus den frühen neuniziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Zu sehen ist sie konzentriert telefonierend – mit typisch klobigem Handy, daneben Ihr treffender Kommentar: „Wir haben einfach ein Faible für Quereinsteiger“. Ein schöner Einstieg.
Skurril wird es dann auf der nächsten Seite: Ronald Pofalla bezieht offensichtlich als Zivildienstleistender gerade ein Bett – zu sehen ist er dabei mit Baskenmütze, langen welligen Haaren und Reißverschlußpullover. Nach dieser Abbildung würde er glatt als zeitgenössischer symphatischer Öko durchgehen, genauso wie sein Wahlspruch: „Unsere Motive sind vielfältig“. Das glatte Gegenteil seiner jetzigen Erscheinung.
Ganz anders liegt die Sache allerdings bei Dr. Anette Schawahn, der amtierenden Bundesbildungsministerin: Vor häuslicher Gardine fotografiert, schaut uns die Klassenbeste aus der 12. an, vom Ehrgeiz durchdrungen. Das unterstreicht auch Ihr selbstgewählter Motivationskommentar: „Für alle, die schon immer was im Kopf hatten, haben wir immer ein Ohr.“ Kein Kommentar.
Das Blut gerinnt allerdings, wenn man in das Antlitz eines etwa dreißig Jahre alten Dr. Wolfgang Schäuble blickt: Hier wurde der Archetypus des Strebers schlechthin abgebildet – höflich, durch und durch korrekt, aber eiskalt schaut der Bundesinnenminister drein, und sein Kommentar ergänzt die Sache noch: „Menschen, die große Herausforderungen auf sich nehmen, nehmen wir am liebsten auf“
Die Reihe setzt sich noch ähnlich treffend fort: Ein flapsig wirkender katholischer Firmant alias Dieter Althaus beruft sich auf Erich Kästners bekannten Moral-Aphorismus, eine attraktive, karrierebewußt strahlende Ursula von der Leyen steht an der Seite Ihres Vaters Dr Albrecht, dem ehemaligen CDU-
Ministerpräsidenten Niedersachsens.
Und was sagt uns das? Hier ist der PR-Stab der CDU zur ausserordentlichen Hochform aufgelaufen und hat die Konkurrenz weit hinter sich gelassen. Kompliment! Denn mit dieser historischen Portraitserie sind ungemein aussagekräftige Psychogramme der gegenwärtig agierenden CDU-Führungsriege entstanden. Vor allem dann, wenn sie täglich medial auftreten und man noch das jeweilige personenbezoge Bild aus früheren Tagen im Kopf hat.

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