»Edel sei der Mensch

…hil­fre­ich und gut“. Diese zwei ersten Zeilen des berühmten Goethe – Gedichts
„Das Göt­tliche“ waren neulich auf einem Trans­par­ent am Sockel des Dich­ter­denkmals in Weimar zu lesen.
Ergänzend dazu hat­ten Unbekan­nte in den frühen Mor­gen­stun­den des 20. Juni zer­mah­lene Holzkohle auf dem The­ater­platz aus­geschüt­tet. Flächen­deck­end um dass Denkmal herum. Punk­t­ge­nau zum Welt­flüchtlingstag.

Die drastis­che Aktion war als mah­nen­der Protest gegen die rigide und inhu­mane Flüchtlingspoli­tik der Europäis­chen Union gedacht.

Dabei ist die Ver­wen­dung von sym­bol­trächtigem schwarzem Kohlen­staub ein außeror­dentlich tre­f­fendes Stilmit­tel.
Denn selbst die anschließende Reini­gung des Platzes wurde so Bestandteil der Aktion.

Eine frech durchtriebene und sub­ver­sive Angele­gen­heit. Sowas hat schon immer gestört.

Seit Tagen nun polar­isiert die Aktion lokale Öffentlichkeit und soziale Net­zw­erke.
Während die Akteure in let­zteren als echte Helden gefeiert wer­den, sehen das viele Bürger Weimars anders.

Schließlich ist die Gute Stube der Stadt mutwillig ver­dreckt wor­den. Ohne Sinn und nut­z­los, sagen die Einen. Ver­schwen­dung von Steuergeldern für die Extra – Reini­gung des Platzes und so weiter. Oder aber: Spek­takuläre Selb­st­pro­fil­ierung unbekan­nter Aktion­skün­stler auf Kosten der Flüchtlinge. Denen sowas bes­timmt nicht nutzen wird.

Da wären dann wohl Aktio­nen wie die des gemein­samen Flüchtlings – Som­mer­fests im Köstritzer Spiegelzelt viel sin­nvoller. Im Ernst? Genau let­zteres kann man dur­chaus kri­tisch sehen. Som­mer­party machen kommt immer gut.
Eine vorder­gründig öffentlichkeitswirk­same Geste.

Doch freilich lassen sich damit auch zwan­g­los die eigentlichen Ver­wal­tungs – und Inte­gra­tionsprob­leme weg feiern. Denn die liegen ganz klar bei mies kom­mu­nizieren­den oder nicht wirk­lich agieren­den Poli­tik­ern.

Und genau darauf hatte es die Aktion abge­se­hen. Sicher mag das keine direkte prak­tis­che Hilfe sein.
Aber: Auf diese Weise wird eine bisher ver­fehlte Flüchtlingspoli­tik in der öffentlichen Wahrnehmung bleiben und nicht vergessen wer­den.

Sowas kann auch das Stein gewor­dene Epizen­trum der deutschen Klas­sik­er­stadt mit links verkraften.
Und selbst der Alte vom Frauen­plan grinst frech herüber.