Von Claus Bach, 25. Juni 2015, 15:29 Uhr

…hilfreich und gut“. Diese zwei ersten Zeilen des berühmten Goethe – Gedichts
„Das Göttliche“ waren neulich auf einem Transparent am Sockel des Dichterdenkmals in Weimar zu lesen.
Ergänzend dazu hatten Unbekannte in den frühen Morgenstunden des 20. Juni zermahlene Holzkohle auf dem Theaterplatz ausgeschüttet. Flächendeckend um dass Denkmal herum. Punktgenau zum Weltflüchtlingstag.

Die drastische Aktion war als mahnender Protest gegen die rigide und inhumane Flüchtlingspolitik der Europäischen Union gedacht.

Dabei ist die Verwendung von symbolträchtigem schwarzem Kohlenstaub ein außerordentlich treffendes Stilmittel.
Denn selbst die anschließende Reinigung des Platzes wurde so Bestandteil der Aktion.

Eine frech durchtriebene und subversive Angelegenheit. Sowas hat schon immer gestört.

Seit Tagen nun polarisiert die Aktion lokale Öffentlichkeit und soziale Netzwerke.
Während die Akteure in letzteren als echte Helden gefeiert werden, sehen das viele Bürger Weimars anders.

Schließlich ist die Gute Stube der Stadt mutwillig verdreckt worden. Ohne Sinn und nutzlos, sagen die Einen. Verschwendung von Steuergeldern für die Extra – Reinigung des Platzes und so weiter. Oder aber: Spektakuläre Selbstprofilierung unbekannter Aktionskünstler auf Kosten der Flüchtlinge. Denen sowas bestimmt nicht nutzen wird.

Da wären dann wohl Aktionen wie die des gemeinsamen Flüchtlings – Sommerfests im Köstritzer Spiegelzelt viel sinnvoller. Im Ernst? Genau letzteres kann man durchaus kritisch sehen. Sommerparty machen kommt immer gut.
Eine vordergründig öffentlichkeitswirksame Geste.

Doch freilich lassen sich damit auch zwanglos die eigentlichen Verwaltungs – und Integrationsprobleme weg feiern. Denn die liegen ganz klar bei mies kommunizierenden oder nicht wirklich agierenden Politikern.

Und genau darauf hatte es die Aktion abgesehen. Sicher mag das keine direkte praktische Hilfe sein.
Aber: Auf diese Weise wird eine bisher verfehlte Flüchtlingspolitik in der öffentlichen Wahrnehmung bleiben und nicht vergessen werden.

Sowas kann auch das Stein gewordene Epizentrum der deutschen Klassikerstadt mit links verkraften.
Und selbst der Alte vom Frauenplan grinst frech herüber.

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