Von Claus Bach, 15. August 2012, 11:26 Uhr

Fast zwanzig Jahre sind seit den Übergriffen auf das Ausländerwohnheim „Sonnenblumenhaus“ im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen vergangen. Knapp vier Tage entlud sich der Fremdenhass in bis dahin nicht gekanntem Ausmaß. Im August 1992 kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen im noch jungen Gesamtdeutschland. Die im Haus wohnenden Vietnamesen kamen buchstäblich mit dem Leben davon.

Ein Team des ZDF war auch im Haus live dabei und lieferte beklemmende Katastrophenberichterstattung. Wir erinnern uns vielleicht noch.

Nun hat sich ein Fernsehteam des Norddeutschen Rundfunks der Sache angenommen. Unter dem Titel „Als Lichtenhagen brannte“ wurden damals agierende Personen befragt und gaben Auskunft.

Herausgekommen ist eine aussagekräftige Dokumentation, die vom Versagen aller verantwortlichen Politiker und Beamten erzählt.

Aber auch die Asylpolitik der damaligen CDU-geführten Bundesregierung kommt schlecht weg:
Wieder besseres Wissen ließ man die vorhersehbare Situation im Rostocker Stadtteil eskalieren. Denn das war willkommener Grund, das Asylrecht im Grundgesetzt zu verschärfen. Was dann widerstandslos im Bundestag durchgewunken wurde. Maßgebliche Drahtzieher der Angelegenheit waren die damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble und Rudolf Seiters.

Freilich verwahrten sich damals alle gegen den Vorwurf, auf dem rechten Auge blind zu sein. Was sich spätestens einige Tage nach der ausländerfeindlichen Eskalation als ordinäre Lüge entpuppte:

Tage später fand vor Ort eine angemeldete Demonstration der Linkspartrei gegen Fremdenhass statt. Die wurde dann gleichmal von 3000 Polizisten einschließlich Bundesgrenzschutz flankiert und gesichert. Das ganze Programm.

In der Nacht der Übergriffe waren gerade mal 300 Polizeibeamte zugegen. Die wurden dann noch vorzeitig zum Schichtwechsel abgezogen. Ungalublich, aber wahr.

Die Dokumentation „Als Lichtenhagen brannte“ ist in der Mediathek des Norddeutschen Rundfunks zu sehen.

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