Von Claus Bach, 17. Dezember 2008, 11:26 Uhr

„Yes you can!“ heißt es seit dem 15. Dezember 2008 auf einer norwegischen Website. Hier kann nun jeder die Attacke auf den noch amtierenden US-Präsidenten in Form eines lustigen Cartoons nachspielen und G.W. Bush mit Schuhen bewerfen:
Auf blauem Grund ist eine hin und her wackelnde augenzwinkernde G.W.Bush-Figur zu sehen, welche sich vor den heranfliegenden Schuhgeschossen rasch hinters Rednerpult duckt. Nach fünf Treffern ist dann Schluss mit der Ballerei und es erscheint nochmals der Spruch „Yes You Can“ – and remember, this is just for fun“

Ganz so „for fun“ ist es im Moment für den irakischen Journalisten Muntadhar al-Zaidi sicher nicht.
Denn für seine spontane Schuhwurf-Attacke auf den scheidenden US-Präsidenten während einer Pressekonferenz am vergangenen Sonntag in Bagdad sitzt er in nun irakischer Haft und wurde dort schwer mißhandelt, fast nach amerikanischem Vorbild.
Die Anklage der irakischen Regierung lautet: Barbarentum. Und das ist kein Witz.
Wenngleich er über Nacht zum Nationalhelden avanchierte und dutzende Anwälte ihre Dienste jetzt zu seiner Verteidigung anbieten.
Dazu muss man wissen, dass es in der arabischen Welt als schlimmste Beleidigung gilt, jemanden mit seinen Schuhen zu bewerfen. Und verbale Zutaten wie „Du elender Hund“ tun ein übriges.
Auch hat Zaidis Aktion rasch Nachahmer gefunden:
In Nadschaf warfen Demonstranten Schuhe auf einen US-Militärkonvoi und beschimpften Bush als „Kuh“.
Tausende andere Demonstranten fordern nun die Freilassung des inhaftierten.
Zaidis Arbeitgeber, der Fernsehsender El Bagdadija, sendete ununterbrochen ein Bild des Journalisten und untermalte es mit patriotischen Liedern. Auch verlangte der Sender die Freilassung Zaidis.

„Gott sei Dank, Muntadhars Tat erfüllt die Herzen der Iraker mit Stolz“, sagte der Bruder des Angreifers, Udai al Zaidi. „Ich bin mir sicher, dass es viele Iraker genauso gemacht hätten.“
Und die libyschen Hilfsorganisation Wa Attassimu verlieh dem Journalisten eine Medaille für seinen Mut.

Sieht man sich besagtes Schuhattacken-Video nochmals an, muss man dem scheidenden US – Präsidenten allerdings ein Kompliment machen: Überraschend geschmeidig wich er den heransausenden Schuhen aus.
Als ob er sowas geahnt und schon lange dafür trainiert hätte.

So findet die achtjährige Amtszeit G.W.Bushs ihr vorzeitiges symbolisches Ende, vom Volk goutiert wie die schlechte Performance eines Dilettanten.

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