Einen haben sie noch.

Seit nun­mehr fünf Tagen ist das Bürg­er­begehren für die Ver­legung des Stan­dortes des geplanten Bauhaus – Muse­ums auf dem Weg.
Eine der „Ini­tia­tive Stadt­fo­rum“ nah­este­hende Bürg­ervere­ini­gung hatte es auf den Weg gebracht. Man richte sich nicht gegen das geplante Museum, son­dern lediglich gegen den Stan­dort.
Wohl wis­send, das freilich das gesamt Pro­jekt gefährdet wird.
Wie schein­heilig.

Dass sich die Ini­tia­toren der Ini­tia­tive damit in die kurze pein­liche Tra­di­tion ver­gle­ich­barer Ver­hin­derun­gen begeben, ist ihnen mit Sicher­heit egal.

Der Erin­nerung hal­ber trotz­dem ein kurzer Abriss:

Vor knapp fün­fzehn Jahren entsch­ied ein Bürg­er­entscheid, den Rollplatz in Weimar nicht mit einer Instal­la­tion des Kün­stlers Daniel Buren zu bespie­len. Eine Blech­law­ine auf Rädern war wichtiger.
Ein Jahr später wurde eben­falls per Bürg­er­begehren entsch­ieden, die Rep­lik des Goethe – Garten­hauses im Ilm­park abzubauen und zu verkaufen.
Let­zteres hat nicht funk­tion­iert. Bis heute steht die Kopie völ­lig deplaziert im Park des Are­als der Toskana -Therme in Bad Sulza und ist selb­stver­ständlich nur von aussen zu besichti­gen.

Die Ini­tia­toren der aktuellen Bürg­erini­tia­tive soll­ten zudem wis­sen, dass der heutige Asbach – Straßen­ver­lauf am östlichen Weimarhal­len­park in den 1940iger Jahren von der dama­li­gen nation­al­sozial­is­tis­chen Lan­desregierung auf den Weg gebracht wor­den war.
Im Zusam­men­hang mit der Errich­tung des Gau­fo­rums wurde jener bru­tale städte­bauliche Ein­griff real­isiert. Bis heute prägt er dieses Vier­tel.

Vorher waren Park und Stadt mit­tels Brücke direkt mit dem Areal des Lan­desmu­se­ums ver­bun­den.

Der Entwurf des neuen Bauhaus-Muse­ums greift den dama­li­gen Charak­ter dieses Vier­tels wieder auf.

Kurzum:
Schon zweimal hat die Stadt Weimar mit­tels eines Teils ihrer Bürg­er­schaft die Chance ver­tan, den so wichti­gen kul­turellen Bogen in die Gegen­wart zu schla­gen und zeit­genös­sisch lebendig zu bleiben.

Ein drittes Mal befördert die Kle­in­stadt endgültig in betonierte muse­ale Ver­gan­gen­heit.
Womit wird sie ihrem Ruf dann vol­lends gerecht wird. Wie schade.