Einfach Anfassen

Das dachten sich wahrschein­lich die Wahlkampf­s­trate­gen der CDU für die Wer­bung ihrer Kan­di­datin Julia Klöck­ner im Bun­des­land Rhein­land Pfalz.
Zur anste­hen­den Land­tagswahl nutzt die attrak­tive Dame ein­mal mehr ihre Erschei­n­ung. Sie kön­nte auch glatt als Model durchge­hen. Doch für die Sache der Partei ver­mit­telt sie auf allen Plakaten Volk­snähe.
Unter anderem durch Händ­chen hal­ten. Auf Augen­höhe und selb­stver­ständlich mit den unver­mei­dlichen Kindern. Oder am Straßen­rand mit einem Aut­o­fahrer. Let­zteres ist freilich nicht ganz unge­fährlich.
„Vor­sicht im Straßen­verkehr!“ wäre da wohl die bessere Losung. Aber es soll eben größte Umtriebigkeit demon­stri­ert wer­den.
Zumal das ein­studierte Lächeln der Front­frau zur Blau­pause gerät.

Das­selbe Konzept fährt auch die Konkur­ren­z­partei SDP. Deren Front­frau Malu Dreyer stellt sich eben­falls im lock­eren Plausch unter freiem Him­mel dar.
Beide Kam­pag­nen sind der­art aus­tauschbar, dass die Entschei­dung der Wäh­ler zur rein sub­jek­tiven Geschmacks­frage gerät.

Riskan­ter geht da schon die FDP vor. Spitzenkan­di­dat Volker Wiss­ing wird gle­ich mal in spek­takulärer Pop – Art Manie dargestellt. Das soll deck­ungs­gle­ich an das dama­lige Porträt des US – Präsi­den­ten Barack Obama erin­nern. Gelb Rot Blau schillert nun Wiss­ings Kon­ter­fei und will enthemmte Zuver­sicht ver­mit­teln:
„Ein Mann. Ein Plan. Schauen wir nach vorn“. Das fällt zumin­d­est visuell auf und ist außeror­dentlich dick aufge­tra­gen.
Da wird die Flucht nach vorn mehr als wörtlich genom­men.
Doch lei­der wird man beim Anblick ein gewisses Unbe­ha­gen nicht los.

Am Geris­sensten agierten allerd­ings die Strate­gen der Linken Partei.
Indem sie ein Farb­foto des Alt­bun­deskan­zlers aus der Bilderk­iste der 1990 iger Jahre holten und mit seinem dama­li­gen Zitat ver­sa­hen. In Siegerpose ver­schränkt Hel­mut Kohl nun lachend beide Arme und Hände vor seinem Antlitz.
Titel des Plakats: »Die Men­schlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den schwäch­sten Mit­gliedern umgeht. Die Linke«.

Eigentlich ist das ja gemein und durchtrieben. Doch hier hat jemand sehr gut nachgedacht und den tak­tis­chen Spieß mit­tels Bildz­i­tat umge­dreht. Das ist nicht wirk­lich neu. Aber es ist klug und wun­der­bar iro­nisch auf den Punkt gebracht.

Nicht zu top­pen und unbe­strit­ten der visuelle Spitzen­re­iter im Reigen der Wahlwer­bung im Bun­des­land Rhein­land-Pfalz.