Von Claus Bach, 7. November 2012, 11:26 Uhr

Im Jahre 2008 kreierte die Jugendzeitschrift „BRAVO“ ein Novum. Genau genommen sogar zwei:

Erstmals in Ihrer Geschichte wurde das Konterfei eines Politikers im Heft abgedruckt. Auf dem ausklappbaren Innenposter schaute der frisch gewählte US-Präsident Barack Obama optimistisch in die Ferne. In klassischer Pop-Art-Mainier schimmerte sein Antlitz blau-rot, den Farben der US-Flagge.

So war auch die neue Spezies des Polit-Popstars geboren. Das zweite Novum.

Nun konnten sich die Teenies den coolen schwarzen US – Präsidenten neben Rihanna & Co an ihre Zimmerwände pinnen. Toll sah er aus. Eher wie ein Soul-Sänger denn Politiker.

Die Idee zum Poster kam indess nicht nur von der Bravo – Redaktion selbst. Sondern auch direkt von den Jugendlichen: „Macht doch mal was zu Obama, ein Poster!“ soll damals in vielen Leserbriefen gestanden haben. Freilich wurde der Vorschlag dann von der Redaktion umgesetzt. Letztlich entstand er aus „…den Bildern der Begeisterung“, wie es damals hieß. Und weiter: „Obama ist ein Jahrhunderttyp, der die Menschen bewegt wie sonst keiner. Und er ist cool: ein Mann, der zwischen den Wahlkampfveranstaltungen Basketball spielt, der in Chucks, mit Baseballcap und Sonnenbrille rumläuft und einen iPod in der Hand hält.“

Na prima. Wenn denn zum Regieren weiter nichts gehört, ist das ja leicht gemacht. Geheiligt sei der schöne Schein.

Ein neuer Typ des Polit-Messias. Der dann auch noch nahtlos zum Nobelpreisträger durchgewunken wurde.

So zog im Januar 2009 ein Schwarzer ins Weiße Haus – selbst das klang damals wie der Beginn eines unfreiwilligen Witzes, den eine weiße Wählerin der Republikaner während des Wahlkampfes riss: „Wo kämen wir denn hin, wenn ein Schwarzer ins Weisse Haus ziehen würde? Dann müsste es womöglich „Schwarzes Haus“ heißen. Unmöglich!“

„Yes we can!“, lautete damals die süffisante Antwort des Hoffnungsträgers.
„Four more years“ heißt es heute ernüchternd nach dem erneuten Wahlsieg des Politstars. Mit ziemlicher Sicherheit wird die „Bravo“ nun auf ein erneutes Obama-Poster verzichten. Wär ja auch langweilig.

Und außerdem würde es den Präsidenten wohl ironischerweise mit einem blauen Auge zeigen müssen.
Immer noch mit ausgezeichneter Soul-Stimme. Wenn er denn mal singt. Aber das ist nicht sein Job.

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