Von Claus Bach, 17. Mai 2017, 13:25 Uhr

„Je weißer der Körper, desto schöner.“ Das schreibt der Pionier der Archeologie, Johann Joachim Winckelmann.
Die junge Weimarer Künstlerin Carolin Gasse hat sich mit ihrer Reflexion auf das Werk Winckelmanns genau an diesem Satz zeitgenössisch gerieben. Auf Einladung der Klassikstiftung Weimar.
Zu sehen sind hochformatige, farbige Detailaufnahmen eines menschlichen Körpers, welcher zuvor mit Puder bedeckt wurde. Es entstanden äußerst künstliche Bilder. Fragmentarische Aufnahmen eines Auges mit brauner Iris, des Details einer Hand, der Lippen und des Ohres.
„Contur & Contenu“ nennt sie ihre Arbeit. Zu deutsch heißt das Kontur und Inhalt.
So arbeitet sie sich am Schönheitsideal der Antike ab, indem sie es seziert und wörtlich visualisiert. Fast mit dem Blick eines Forschers.
Sie selbst schreibt dazu: „Die weiße Farbe steht im Kontrast zur Farbigkeit des Körpers und schafft es doch nicht, die Struktur der Haut zu übertünchen. Nichts was lebendig ist, ist nur weiß. Den Körperbau als Ganzes braucht es nicht, der ist auch heute noch belastet durch Schönheitsideale.“
Doch anders als üblich zertrümmert die Künstlerin nicht jenes antike Ideal, sondern überträgt es eins zu eins in die Gegenwart. Dabei verstört der Anblick jener Bildfragmente:
Das mag einerseits an ihrer künstlichen Wirkung liegen. Hier wurde mutwillig dick aufgetragen. Und zwar derart übertrieben, dass es abstoßend und zugleich anziehend wirkt.
Andererseits verleiht jene Ambivalenz der Arbeit eine unheimliche Sinnlichkeit.
Denn würde man nicht ins leuchtende Antlitz jener braunen Iris blicken, könnten auch hier Teile eines bereits toten Körpers zu sehen sein. Für die Ewigkeit konserviert.
Dabei entwickeln die aufgenommenen Details ein sinistres Eigenleben.
Von den kleinen Fältchen der Handfläche, ihren Poren bis hin zu den roten Lippen.
Als ob eine antike Plastik lebendig werden würde.
Offen bleibt allerdings, wie der gesamte Körper aussieht.
So gelingt es Carolin Gasse, die Auswüchse eines enthemmten vergangenen Schönheitsideals in die Gegenwart einfließen zu lassen.
Alles weitere ist dann Sache unserer Vorstellungskraft.
Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt.

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