Elefant und kleiner Mann

seit eini­gen Wochen schon sind die Lit­fasssäulen im Stad­traum Weimars mit Plakaten zur Bewer­bung des nahen­den Kun­st­fests bek­lebt.
Vornehm­lich mit dem Motiv des The­ater­stückes „Gane­sha gegen das Dritte Reich“ des aus­tralis­chen Back – to – Back The­atre.

Zu sehen ist ein großer Mann im grauen Anzug mit Ele­fan­tenkopf, der neben einer sehr schmächtig auss­chauen­den Karikatur des Dik­ta­tors Adolf Hitler steht. Der Ele­fan­ten­mann alias Got­theit Gane­sha hat seinen rechten Arm her­aus­fordernd angewinkelt, der kleine Mann ver­schränkt schützend seine Arme vor dem unter­set­ztem Kör­per.

Freilich prangt auf seinem linken Arm die Binde mit dem Hak­enkreuz. Während sie im Pro­grammheft abge­druckt ist, wurde sie auf allen Plakaten im öffentlichen Raum mit einem run­den weißen Aufk­le­ber verse­hen. Was dem juris­tis­chen Umstand Rech­nung trägt, kein­er­lei ver­fas­sungs­feindliche Sym­bole in der Öffentlichkeit zu präsen­tieren.

Nun aber ist die Sache zum inter­ak­tiven Selb­stläufer gewor­den. Denn an mehreren besagten Plakaten wurde der Ver­such unter­nom­men, den Aufk­le­ber zu ent­fer­nen. So richtig klappte das aber nicht. Und so prangt ein noch auf­fäl­ligerer weißer Aus­riss an des Führermännleins Arm. Dumm gelaufen.

Und so scheint diese reale Episode wie ein Vor­spiel zur durchtriebe­nen Büh­nen­pro­duk­tion der aus­tralis­chen The­ater­gruppe zu wirken. Denn dort wird nicht nur über den Kampf zwis­chen der indis­chen Got­theit Gane­sha und dem Nazideutsch­land des Jahres 1943 erzählt.
Ein zweiter inte­gri­erter Hand­lungsstrang lässt Schaus­pieler und Regis­seur selb­stiro­nisch über die Rol­len­verteilung und Darstel­lungsweise im Stück debat­tieren, wobei alle Klis­chees men­schlicher Kon­flik­t­si­t­u­a­tio­nen durchge­spielt wer­den. Macht – und Kon­trollmech­a­nis­men unserer Gesellschaft inbe­grif­fen. Ein Stück im Stück, wenn man so will.

Am kom­menden Sam­stag ist die einzige Europa – Auf­führung des preis­gekrön­ten Stücks im DNT zu erleben.
Ein span­nen­der Start des Kun­st­fests mit neuer Inten­danz, der sich bere­its jetzt aus­ge­sprochen wohltuend von seinen Vorgängern abhebt.