Von Claus Bach, 7. Oktober 2016, 14:28 Uhr

„Es war Zwiebelmarkt in Weimar. Endlich mal was los! Die einzigen Tage im Jahr, wo dieses verpennte Nest unweit des ehemaligen
Konzentrationslagers Buchenwald nach 18 Uhr lebendig wirkt…“.

Das schrieb der in Weimar aufgewachsene und heute in Berlin lebende Autor Frank Willmann zu Beginn seiner erfrischenden Polemik, welche in der Sport – Rubrik der Zeitung „Junge Welt“ vom Oktober 2006 unter dem
Titel „Aus den Unterklassen. Mit Gott und den Genossen“ zu lesen war.
Und nach einem allgemeinen Verbalrundumschlag bezüglich immerwährender Verhaltensgepflogenheiten von Besuchern und Eingeborenen während des Traditionsvolksfests schlägt er dann den Bogen vom Weimarer Stadtlauf zu früheren DDR – Zeiten.

Im speziellen GST-Zeiten:
„Gesellschaft für Sport und Technik“ war bekanntlich jene paramilitärische Jugendorganisation, bei der man für wenig Geld die Fahrerlaubnis für alle fast möglichen Kraftfahrzeuge erwerben konnte.
Dafür allerdings wurde man im Gegenzug lebender Statist öffentlicher Großveranstaltungen eben jener Gesellschaft.
Und umständehalber Anwärter für spätere militärische Laufbahnen:

„Ich fabrizierte bei der GST, als zukünftiger NVA-Unteroffizier, für 75 Mark der DDR meinen LKW-Führerschein. Als ich den besaß, erfühlte ich mein gottgefälliges Erbgut und wurde eineinhalbjähriger Bausoldat. Das war ich handelseinig!
Mit Gott und den Genossen.“

Knappes Resümee:
Auch ein ordinäres Straßenfest in einer Kleinstadt hat schon immer neue materielle Einkommensmöglichkeiten zum gegenseitigen Nutzen für alle Beteiligten geschaffen.
Angefangen von lokalen Marktverkäufern bis hin zu explizit angereisten Händlern, Rockbands und Literaten.
Auch das ist fast wie früher. Heute allerdings zweckorientiert größer und perfekter.

Beispiel gefällig:
Eine dreiteilige Blechkonstruktion ermöglicht nun die synchrone Herstellung des Thüringer Bratguts.
Bestehend aus einem Wurst- und zwei Brätelrosten.
Wenn das nicht zeitgenössisch effektiv ist. Und es wird auch dieses Jahr wieder gut aussehen.

Und in Verbindung mit dem zu erwartendem Kundenandrang gerät das Ganze dann rasch zur interaktiven Performance.

Oder, anders ausgedrückt:

Ein Volksfest in einer Kleinstadt ist ein Volksfest in einer Kleinstadt ist ein Volksfest in einer Kleinstadt ist ein Volksfest in einer Kleinstadt

2006_zwiebelmarkt567

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