Enthemmt nach oben

Zum drit­ten Mal in Folge wer­den die Gehweg – und Straßen­be­nutzer Weimars einem bun­ten Strauß plaka­tiver Parteien – Sichtwer­bung aus­ge­setzt.
Aber­mals wird jede sich bietende ver­tikale Hal­terung enthemmt zur Plakatierung genutzt.
Auch ist dabei eine neue Ten­denz auszu­machen:
Die Mas­ten der Straßen­beleuch­tung wer­den neuerd­ings kon­se­quent nach oben bespielt. Die Biegung inbe­grif­fen.
Meist mit Reklame jener Partei, deren Namen man nur ungern aussprechen möchte.
So baumeln dann einige Kon­ter­feis zwan­g­los wie große Wim­pel im Him­mel. Vor allem bei aufk­om­menden Wind sieht das lustig aus.
Und das eine oder andere Kan­di­daten – Bild­nis dreht sich eben auch mal quer zur Blick­rich­tung. Das bringt ein wenig fluffige Abwech­slung in das Ein­er­lei der ewig gle­ich lächel­nden Pro­tag­o­nis­ten.
Beson­ders auf­fäl­lig ist jene Mas­ten – Erschei­n­ung im örtlichen Stadtring des Bere­ichs Ful­daer Straße zu erleben. Da hangeln sich bis zu sechs Plakate am Mast nach ganz oben. Wie große Ameisen kleben sie am ver­tikalen und gebo­genem Rohr.
Ein Bewer­ber – Motiv hat sich der Sache unfrei­willig angepasst:
Das Porträt des SPD – Kan­di­daten Dr. Thomas Har­tung ist im unteren Bere­ich von Seifen­blasen – ähn­lichen Erschei­n­un­gen gesäumt. Die ver­lei­hen dem Pro­tag­o­nis­ten eine Aura der beson­deren Art. Sou­verän scheint er über den Din­gen zu schweben.
Das ist freilich gut gemeint und lässt den Lokalpoli­tiker wie einen Rock­star erscheinen.
Oder wie einen Heili­gen, der soeben paradiesis­che Zustände verkün­det hat.

Bevor er dann gän­zlich in die Unendlichkeit des Raumes entschwindet.
Und uns Krea­turen hil­f­los am Boden zurück­lässt.