Von Claus Bach, 4. Januar 2017, 11:39 Uhr

Am späten Nachmittag des 07. Februar 2016 wurde August Rodins berühmte Bronzeplastik „Eva“ von ihrem Sockel gestoßen. 104 Jahre lang stand sie im Foyer des Hauptgebäudes der heutigen Bauhaus – Universität. Sie ist nackt, ihre Arme verschränken sich neben dem Kopf, als ob sie sich vor unbekannten Mächten schützte. Eine sinnliche und zugleich beunruhigende Geste. Sie war ein Element der sogenannten „Höllenpforte“, die der Künstler ursprünglich für das Pariser „Musée des Arts Décoratifs“ geschaffen hatte. Im Jahre 1912 wurde sie im gerade vollendeten Hauptgebäude der Weimarer Kunsthochschule aufgestellt. August Rodin hatte bekanntlich keinen guten Ruf in großen Teilen des Kulturbürgertums der Stadt Weimar. Das nahm Anstoß an seinen erotischen Plastiken und Zeichnungen.
Jahre zuvor waren sie in einer spektakulären Ausstellung gezeigt worden. So forderte der damalige Rektor der Kunstschule Fritz Mackensen im Jahre 1916, das Kunstwerks dieses „Schmähers“ aus dem Foyer zu entfernen. Und im Umfeld des ersten Weltkriegs verschwand sie für kurze Zeit von ihrem Sockel. Frankreich war der Erzfeind.
Seit etwa 1919 stand sie wieder am alten Platz und verleiht dem weltberühmten Treppenhaus seine unverwechselbare Aura. Selbst den zweiten Weltkrieg hat sie unbeschadet überstanden.

Und nun das. Tage später war auf der virtuellen Pinnwand der hiesigen UNI ein Polizeifoto der umgestoßenen Bronzeplastik „Eva“ zu sehen: Wie ein gefallener schwarzer Engel lag sie auf dem Boden. Ihr Kopf mit den verschlungenen Armen verschwand fast unter der Treppe. Brutal sah das aus und zum Steinerweichen.

Da muss jemand außerordentliche Wut gehabt haben. Oder zünftig auf Droge gewesen sein. Letzteres sollte sich acht Monate später als wahr erweisen. Im Oktober 2016 wurde der Täter gefasst. Der 40 – Jährige Weimarer hatte die Skulptur in derartigem Drogenrausch umgestoßen, dass er sich nur noch vage an seine Tat erinnern konnte.

Die stark beschädigte Skulptur befindet sich noch immer in Restaurierung. Deshalb steht bis heute eine Miniatur der Eva auf einem Blumentopf im Foyer der UNI. Letztere hat freilich längst eine Spendenkampagne gestartet.
„Eva gehört zu uns!“ nennt sich die Aktion und fordert auf der Webseite auf, Fotos und Geschichten zum Ort einzusenden. Persönliche Genesungswünsche an die Dame inbegriffen. Und seit Dezember 2017 kann man den „EVA – Pin“ im Bauhaus-Atelier als Spende erwerben. In vier verschiedenen Größen.
Sowas ist dann wohl ein wunderbares Beispiel für das Prinzip Hoffnung. Es kann nur besser werden.

Sie können jederzeit einen eigenen Kommentar mit Hilfe des Formulars am Seitenende hinzufügen.

Bisher keine Kommentare zum Artikel

  1. Bisher keine Kommentare

Kommentiere den Artikel

SPAM-Schutz
Wenn Du kein SPAM-Bot bist,
fülle bitte dieses Feld aus. *
Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.



Kommentare zu diesem Artikel über RSS 2.0-Feed verfolgen