Ex und Hopp!

Dieses Schick­sal ereilt für gewöhn­lich die meis­ten Presse­fo­tos im medi­alen Ver­w­er­tungskreis­lauf.
Was heute noch bran­dak­tuell ist, wird mor­gen von neuen Ereignis­sen und Skan­dalen abgelöst. Je spek­takulärer, desto besser. Weil verkaufs­fördernd und wirtschaftlich sin­nvoll. Eine klare Sache. Denn freilich war das schon immer so.

Doch seit dem Durch­marsch der dig­i­talen Fotografie genießen auss­chließlich jene zeit­punk­t­be­zo­ge­nen Fotografien pub­lizis­tis­chen Mark­twert. Alles, was sich sonst im All­tag ereignet und nicht ger­ade das Pri­vatleben diverser Promis abbildet, existiert nicht wirk­lich. Zumin­d­est in den ein­schlägi­gen Presseme­dien. Inter­ressiert ja auch keine Sau.

Das allerd­ings bringt fatale Neben­wirkun­gen mit sich: Denn diese Art Auswahl läßt auf Dauer ein verz­er­rtes medi­ales Abbild unserer Wirk­lichkeit entste­hen. Als ob alles aus Skan­dalen und Gewalt besteht. Da haben schlichte All­t­agsauf­nah­men so gut wie keine Chance mehr, veröf­fentlicht zu wer­den.

Auf diesen his­torischen Struk­tur­wan­del will nun eine Aktion des deutschen Bild­jour­nal­is­ten -Ver­bands „Free­lens“ aufmerk­sam machen:
„Ein Tag Deutsch­land“
heißt das Foto­pro­jekt, welches den 07. Mai 2010 visuell zum Thema machte:

An jenem gewöhn­lichen Fre­itag schwärmten alle Fotografen des Ver­ban­des aus und hiel­ten das Leben in Deutsch­land fest:
In Schulen und Wohnz­im­mern, im Garten, auf Fußballplätzen und Flughäfen, in Par­la­menten oder Diskotheken. In pri­vaten und öffentlichen Räu­men. Stets abseits von Massen­ver­anstal­tun­gen oder ähn­lich pub­lizis­tisch ver­w­ert­baren Sit­u­a­tio­nen. Es soll­ten Momente gefun­den wer­den, die dieses Land repräsen­tieren.

So ent­stand ein außeror­dentlich viel­gesichtiger Bilderkos­mos, welcher die Men­schen in Ihrem nor­malen Umfeld von Nord bis Süd und Ost bis West zeigt. Real­is­mus pur. Banal, aber wirkungsvoll. Eine ein­ma­lige Sache. Und ungewöhn­lich mutig, dem All­tag ein Denkmal zu set­zen.

Ergeb­nis der Angele­gen­heit ist eine Ausstel­lung des Pro­jekts auf der diesjähri­gen Pho­tok­ina. Vielle­icht die inter­es­san­teste Ver­anstal­tung auf der Pho­totech­nik-Messe. Und freilich gibt es auch den Foto­band gle­ich­nami­gen Titels. Zu erwer­ben ist er beim dpunkt.Verlag Hei­del­berg.

Er sollte zur Pflichtlek­türe für jede einiger­maßen ern­stzunehmende Bil­dredak­tion wer­den.